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Sprachprobleme
– müssen wir uns Sorgen machen?
Aus
dem Erziehungsratgeber
"Erzieherinnen beantworten Elternfragen"
Ein Kind lernt erst langsam,
Zunge, Mund, Lippen, Kehlkopf zu koordinieren. Zudem muss es sich dabei
noch an die richtigen Worte erinnern, zwischen verschiedenen Möglichkeiten auswählen
– und das muss alles sehr schnell gehen, da es ja ein großes Mitteilungsbedürfnis
hat. In diesem Prozess des Spracherwerbs klappt natürlich nicht alles auf Anhieb.
Besonders im dritten Lebensjahr
macht die Sprachentwicklung rasante Fortschritte. Dazu ist es wichtig,
dass Kinder viel sprechen und Menschen um sich haben, die sich gerne und mit
Geduld mit ihm unterhalten.
Spricht Ihr Kind wenig oder
vermeidet es das Sprechen in Gegenwart mancher Menschen, dann stimmt etwas
nicht. Der Mangel liegt aber eher in der Umgebung als beim Kind selbst.
Kinder haben eigentlich eine natürliche Freude am Reden, die allerdings durch
Misserfolg, ungeduldiges Drängen oder Gleichgültigkeit der Erwachsenen beeinträchtigt wird.
Sprechen lernen ist ein langsamer, stetiger
Prozess; seien Sie geduldig, drängen Sie nicht!
Gerade beim Spracherwerb gilt
in besonderem Maße: Geduld haben und ganz natürlich bleiben. Ihr Drängen
oder Ihre Ängste beeinträchtigen seine Sprachentwicklung; denn die
Stimmbildung ist seelischen Beeinflussungen in besonderem Maße ausgesetzt. Sie
dürfen getrost sein: Wenn Ihr Kind keine körperlichen Mängel hat (Fehlbildung
der Sprachorgane oder Hörschäden), so wird es das Sprechen auf ganz natürlichem Wege gut lernen.
Viel mit dem Kind zu sprechen
und es dabei nicht einzuengen ist aus mehreren Gründen wichtig: Sprache
und geistige Entwicklung hängen eng zusammen. Auch auf das soziale Verhalten
wirkt sich die Sprache aus. Sprachlich unsichere Kinder sind zurückhaltender,
weniger selbstständig und neigen schneller zu negativen aggressiven Verhaltensweisen.
Reagieren Sie auf fehlerhafte Aussprache nicht ungehalten.
Reagieren Sie in keinem Fall
ungehalten: „Kannst du denn nicht richtig sprechen?“ / „Das heißt
nicht „Humd“ sondern Hund – wie oft soll ich dir das denn noch
vorsprechen?!“ Zwingen Sie das Kind nicht, Worte immer wieder und wieder
nachzusprechen. Es wird ansonsten demnächst bei diesen Worten stocken oder versuchen, sie ganz zu vermeiden.
Zeigen Sie, dass Sie es
verstanden haben, und sprechen dabei das Wort richtig aus – vielleicht
können Sie es auch gleich mehrfach in den Satz einbauen - ohne es allerdings vorwurfsvoll oder „besserwisserisch“ zu betonen:
Ja, das ist ein Hund; das ist ein großer Hund; so einen Hund möchtest du auch
gerne haben? Das ist ein schöner Hund!
Aus
dem Erziehungsratgeber
"Erzieherinnen beantworten Elternfragen"
Motivieren Sie Ihr Kind zum Sprechen!
Beobachten Sie Ihre
sprachlichen Reaktionen. Wenn diese oft mit Verneinungen wie "nein",
"ach", "nicht doch", "so nicht", "das heißt nicht",
"das ist kein" beginnen, so beeinträchtigen Sie die sprachliche Entwicklung des Kindes
mit Sicherheit! Motivierende Sätze beginnen so:
Ja! / Aha! / Ach so! / Ich verstehe! / Schön! / Gut! / Bravo! / Tatsächlich?
Das Mitteilungsbedürfnis der
Kleinen ist oftmals so groß, dass sie schneller reden wollen als sie können.
Der Sprechapparat kommt mit den Gedanken nicht mit. Haben Sie gerade in solchen
Situationen Geduld. Wenn Sie Ihr Kind oft unter Druck setzen, entwickelt sich
schnell eine kleine Sprachstörung. Schauen Sie es freundlich an und zeigen Sie
ihm, dass Sie Zeit haben und es sich somit auch Zeit nehmen kann:
Ja, ich höre. / Komm, wir setzen uns erst mal hin, und dann erzählst du mir das in Ruhe; ich bin ganz neugierig.
Verstärken Sie die Sprachhemmungen
nicht!
Sprachhemmungen können sich
verstärken, wenn Sie zu oft gar nicht zuhören. Haben Sie gerade keine
Zeit, dann sagen Sie es freundlich, aber deutlich, und geben einen für das Kind überschaubaren Zeitraum an, den es sich noch
gedulden muss. Halten Sie sich aber an Ihre Aussage und schenken Sie ihm dann Ihre volle Aufmerksamkeit:
Du, ich telefoniere gerade und möchte jetzt nicht gestört werden! Gedulde dich
bitte fünf Minuten, dann höre ich dir zu!
Wichtig ist grundsätzlich der
positive, begeisternde oder partnerschaftliche Ton Ihrer Worte. Natürlich
dürfen Sie auch brummig, schroff, aufbrausend sein, wenn Ihnen danach ist. Das
gehört zu den Gefühlen des Menschen; dies soll das Kind durchaus lernen. Doch
das ist hoffentlich nicht Ihre vorherrschende Gefühlslage - wenn doch, so müssen
Sie daran arbeiten; denn motiviert wird ein Kind durch positive Stimmung.
Nutzen Sie Lieder und Gebete zum Spracherwerb!
Singen hat sich gut bewährt, um
sprachlichen Ausdruck zu schärfen; üben Sie einfache Lieder mit Ihrem Kind.
Sprechen Sie einfache Gebete am
Abend gemeinsam. Aber auch für das Singen und Beten gilt: Es muss Freude
machen. Es darf nicht aufgesetzt, zwanghaft oder gar mit Vorwürfen verbunden
sein. So ist es voll daneben: „Damit du endlich mal richtig sprechen lernst
...“
Aus
dem Erziehungsratgeber
"Erzieherinnen beantworten Elternfragen"
Ihr Kind lernt von Ihnen das Sprechen.
Sprechen Sie daher deutlich und in ganzen Sätzen!
Das Kind spricht natürlich
nicht so vollständig wie ein Erwachsener. „Da, Hund!“, „Schön,
Katze“, „Kind lacht“ - so
bildet es zunächst die Sätze. Beginnen Sie nicht, ebenso zu sprechen, in der
Annahme, das Kind verstehe Sie dann besser. Sprechen Sie ganz normal, aber
langsam und deutlich. Formulieren Sie bewusst ganze Sätze mit zumindest Subjekt, Prädikat, Objekt:
Ja, das Kind lacht. Es freut sich über den Hund.
Ihr Vorbild ist bei der
Sprachentwicklung von herausragender Bedeutung. Wenn Sie das Kind
ansprechen, so wenden Sie sich ihm möglichst direkt zu, damit es an Ihrem
Beispiel die Stellung der Lippen und der Zunge erkennen kann. Es gibt genügend
Gelegenheit, dass dies ungezwungen geschehen kann – ohne Belehrungen, Ermahnungen und Vorhaltungen.
Im dritten Lebensjahr lernt ein
Kind schrittweise den Gebrauch von Konjunktionen (‚und’, ‚weil’,
‚oder’). Auch verschiedene Zeiten wie ‚Gegenwart’, ‚Zukunft’,
‚Vergangenheit’ kann es sprachlich darstellen. Nutzen auch Sie bewusst die
Vielfalt der Sprache; denn gleichzeitig mit der Formulierung von komplexen Sätzen
lernt das Kind Zusammenhänge zu begreifen, Ursache und Wirkung zu erkennen,
Phantasie und Wirklichkeit zu unterscheiden und verschiedene Zeiten sprachlich
zu fassen. Das sind bedeutende Schritte im Entwicklungsprozess:
Wenn du dich freust, lachst du auch so schön! / Ja, ich wasche den Apfel jetzt ab,
damit er richtig sauber wird und wir ihn essen können. / Sooo eine große Maus
hast du gesehen? Weißt du, wenn da plötzlich eine Maus ist, kommt sie einem
viel größer vor, als sie wirklich ist; ich bin sicher, sie war viel kleiner
– aber bestimmt ganz niedlich!
Tun Sie viel mit dem Kind
gemeinsam und begleiten Sie die Handlungen mit Worten. So kann das Kind
gleichzeitig sehen und hören:
Jetzt kneten wir den Teig, damit alle Zutaten gleichmäßig verteilt werden, sonst
hast du plötzlich nur Mehl im Mund, das wäre zu staubig. Jetzt schieben wir
ihn in den Bachofen, und in einer Stunde wird der Kuchen fertig sein. Bevor wir
ihn essen können, muss er dann allerdings noch kalt werden.
Ihr Kind lernt nicht durch das Fernsehen sprechen!
Die Annahme, ein Kind lerne gut
sprechen, wenn es viel fernsieht, ist völlig falsch. Untersuchungen
belegen, dass ein Kind Handlungen und auch Sprache erst im direkten Umgang
erlebt haben muss, um sie auf dem Bildschirm zu verstehen.
Lesen
Sie oft etwas vor und motivieren Sie zu gemeinsamen Spielen, bei denen
viel miteinander gesprochen wird. Ideal sind Rollenspiele. Märchen und kleine
Geschichten können mit verschiedenen Rollen nachgespielt werden; die Rollen können
aber auch aus dem Stehgreif erfunden werden, wie:
Du
bist ein Autoverkäufer und willst mir den Rennwagen verkaufen! / Du bist ein
kleines grünes Monster von einem anderen Stern und erzählst mir von deiner
Heimat! / Ich bin in ein Tier verzaubert und versuche dir mit Gesten und Mimik
beizubringen, wer ich eigentlich bin.
Wenn Sie eine Verkleidungskiste (mit alten Kleidern,
Hüten, Kostümen) bereit haben, machen
die Rollenspiele noch mehr Spaß. Wenn eines der Kinder Sie auf Video aufnimmt,
kommt beim gemeinsamen Ansehen richtig Freude auf:
Komm, wir drehen einen Film!
Sorgen Sie dafür, dass das
Kind mit unterschiedlichen Erwachsenen Kontakt hat. Die Vielfältigkeit
der Worte, der Sprechweise und der ganzen Ausdrucksart erweitern sein
sprachliches Repertoire.
Sprechen Sie zum Kind, während
Sie etwas miteinander unternehmen; aber schaffen Sie auch ruhige Momente
am Wochenende oder nach Feierabend, um etwas vorzulesen, eine Geschichte zu erzählen
oder sich vom Kind die Erlebnisse des Tages oder der Woche erzählen zu lassen.
Diese Zeiten sind besonders wichtig. In der Hektik des Tages rauschen Worte oft
nur oberflächlich dahin; was in Ruhe und in entspannter Atmosphäre gesprochen
wird, findet eher den Weg ins Gedächtnis.
Dieser Artikel ist ein Ausschnitt aus dem Erziehungsratgeber "Kleiner Schatz, ich sag
dir was"
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Sie
möchten Ihr Kind ideal erziehen? Sie möchten ganz viel über Erziehung wissen?
Dann empfehlen wir
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Dies sind die 10 häufigst gestellten Fragen, mit denen Eltern sich immer wieder an uns und an die Erzieherinnen wenden, mit denen wir zusammenarbeiten.
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