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Sexualerziehung / Aufklärung – wie und ab wann?
Sexualität ist weit mehr als „Kindermachen“. Liebe, Zärtlichkeit, körperliche Nähe, Schmusen, die Sehnsucht nach Nähe - all das und noch viel mehr gehört dazu. Sexualität kommt nicht plötzlich ab einem bestimmten Alter; sie gehört zum Menschen vom ersten bis zum letzten Atemzug. Wenn sie so natürlich ist, sollte man auch natürlich mit ihr umgehen, denn sonst betrügt man sich und sein Kind. Sexualerziehung darf nicht nur verstanden werden als „Aufklärung“ darüber, wie Kinder entstehen. Sie ist keine „Belehrung“, keine einmalige Aktion, sondern ständiger Teil des Zusammenlebens. Seien Sie „zärtlich“ zum Kind und auch mit dem Partner bzw. der Partnerin, wenn das Kind dabei ist. Brechen Sie Zärtlichkeiten nicht ab, wenn das Kind dazu kommt. Bei Liebesfilmen oder Sexszenen im Fernsehen schalten Sie nicht „peinlich berührt“ schnell weg. Sprechen Sie nicht „hinter vorgehaltener Hand“ über Sex. Ihr Kind soll nicht den Eindruck erhalten, dies sei etwas Schlechtes oder Geheimes. Der Sexualakt ist etwas Intimes. Natürlich schaffen Sie sich dafür den entsprechenden „Raum“, zu dem das Kind keinen Zugang hat. Sie bewahren es selbstverständlich auch vor entsprechenden und insbesondere pornografischen Darstellungen in Zeitschriften und im Fernsehen. Erschrecken Sie aber nicht, und schimpfen Sie nicht, wenn das Kind Sie beim Sex überrascht oder Sexszenen versehentlich zu sehen bekommt. Nutzen Sie die Gelegenheit, das Kind „aufzuklären“: Das ist sehr verwirrend für dich. Denn du kannst dir gar nicht erklären, was da geschieht. Ich möchte es dir gerne erklären. Sorgen Sie für ein Vertrauensverhältnis, in dem das Kind offen mit Fragen zu Ihnen kommt. Es dürfen auch „peinliche“ Fragen sein. Beantworten Sie diese einfach und mit Ihren natürlichen Worten. Das soll kein ausgefeilter Vortrag sein. Ihr Kind wird schon nachfragen, wenn es etwas nicht versteht. Wenn Ihnen etwas peinlich ist oder Ihnen die Worte fehlen, so sagen Sie das offen und bitten ggf. um Bedenkzeit. Bestärken Sie das Kind aber darin, solche Fragen zu stellen: Es ist gut, dass du diese Frage stellst; ich weiß jetzt im Augenblick gar nicht, wie ich dir das erklären soll; heute Abend, nach dem Abendessen nehmen wir uns Zeit, dann kann ich dir das in aller Ruhe erklären; ist das o. k. so?
Zum Beginn der Schulzeit sollte ein Kind spätestens über Sex und Schwangerschaft Bescheid wissen. Verlangt Ihr Kind nicht von selbst Erklärungen, so regen Sie entsprechende Gespräche an. (Eine Schwangerschaft im Bekanntenkreis ist immer ein guter Ansatzpunkt.) Es hört sonst einseitige Darstellungen und entwickelt verzerrte Bilder. Berichtigen Sie falsche Vorstellungen. Es ist für uns Erwachsene oftmals nicht einfach, dafür Worte zu finden – vielleicht sehen Sie sich ein entsprechendes Bilderbuch, das Ihnen Erzieherinnen empfehlen, gemeinsam an und beantworten dazu Fragen. Beziehen Sie sich bei Erklärungen zur Sexualität nicht auf das Verhalten von Tieren. Menschliche Sexualität ist weit vielfältiger und eingebunden in ein Beziehungs- und Gefühlsnetz, als dass es durch einfache Vergleiche mit dem Verhalten von Tieren erfasst werden könnte. Ein Beispiel, wie Sie die Frage „Wie entstehen Kinder?“ beantworten können: Wir liegen dann nackig ganz nah beieinander – Papa und ich. Dazu sind wir ganz allein , damit niemand uns stört; das geht auch keinen etwas an – nur uns zwei. Wir streicheln uns und umarmen uns. Das ist sehr schön und es kribbelt bei mir im ganzen Körper. Meine Lippen möchten dann küssen, und mein Körper möchte gestreichelt werden. Papas Penis wird dann größer und fest, er ist dann nicht mehr so weich wie er normalerweise beim Pipimachen ist. Auch meine Scheide verändert sich: Sie wird feucht. So ist das bei Mann und Frau, wenn sie „Sex miteinander haben“. Wenn die Frau es möchte, kann der Mann dann den Penis in die Scheide stecken. Man nennt das auch: Miteinander schlafen. Das Gefühl wird dann bei beiden ganz stark – so als wenn einem ganz schwindlig wird – aber ganz schön. Dann kommt aus dem Penis ein bisschen weiße Flüssigkeit. Nein, nicht wie Pipi, viel weniger und anders - weiß, fast wie Milch. Das nennt man Sperma. In diesem Sperma sind viele Samenzellen, ganz klein; sie finden einen Weg bis zu einer Eizelle, die tief im Körper der Frau ist. Wenn die Samenzelle und die Eizelle zusammenkommen, dann kann daraus ganz langsam ein neues Kind wachsen. Sprechen Sie darüber, dass die Vereinigung den Partnern Freude macht und auch miteinander geschieht, wenn man kein Kind mehr möchte; dass Empfängnis verhütet werden kann und dass Kondome auch benutzt werden, um sich vor Krankheiten zu schützen: Wenn wir das nur miteinander tun würden, wenn wir ein Kind möchten, dann wäre das ja so selten; dazu macht es zu viel Spaß. Da müssen wir allerdings aufpassen, dass das Sperma nicht bis zur Eizelle kommt, sonst hättest du schon viel zu viele Geschwister. Zeigen Sie auf, dass viel Verantwortung damit verbunden ist, ein Kind zu zeugen: Das Kind muss ja jemanden haben, der es liebt und der für es da ist. Besonders schön ist es, wenn das Vater und Mutter gemeinsam sind und beide gern ein Kind möchten und sich so sehr lieben, dass sie ganz lange zusammenbleiben möchten. Dieser
Artikel ist ein Ausschnitt aus dem Erziehungsratgeber
"Kleiner Schatz, ich sag dir was"
Dies sind die 10 häufigst gestellten Fragen, mit denen Eltern sich immer wieder an uns und an die Erzieherinnen wenden, mit denen wir zusammenarbeiten.
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