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Computer - soll unser Kind schon damit umzugehen?
Es ist faszinierend, wie schnell schon Vorschulkinder lernen, den PC zu bedienen, die Maus zu steuern und mit einfachen Programmen umzugehen. Die ersten Lernerfolge stellen sich schnell ein. Beobachtet man dies, so ist man geneigt zu sagen: „Je früher, desto besser.“ Doch dieser Eindruck täuscht sehr. Alle Untersuchungen zeigen eindeutig, dass Kinder, die schon sehr früh – im Vorschul- und Grundschulalter – zu „kleinen Experten“ am PC werden, schnell an die Grenzen ihrer Fähigkeiten gelangen und mit zunehmendem Alter zurückbleiben. Dann werden sie leicht von den Kindern „überholt“, die erst viel später ihre „erste Liebe“ zum PC entdeckten. Als ideales Einstiegsalter hat sich erst das elfte/zwölfte Lebensjahr erwiesen. Die Kenntnisse und Fertigkeiten der „Früheinsteiger“ bleiben zumeist oberflächlich und auf den Umgang mit Spielen oder einfacher Software beschränkt. Die häufig geübte Praxis, bei einer PC-Neuanschaffung in der Familie das alte Modell dem Kind ins Zimmer zu stellen (damit es schon mal üben kann), schadet eindeutig der Entwicklung des Kindes. Ein Vorschulkind sollte noch keinen eigenen PC besitzen. Spielen und Lernen muss zunächst im Kontakt mit Menschen geschehen. Nur wenn die „reale Welt“ erfolgreich erforscht und verstanden wird, kann später die „virtuelle Welt“ eine sinnvolle Bereicherung sein. Sicherheit im Malen mit Stiften auf Papier, im Rechnen mit „fassbaren“ Gegenständen, im Spielen mit lebendigen Partnern und Geschicklichkeit sowie Reaktionsvermögen im Hantieren mit realen Gegenständen und traditionellen Spielgeräten ist Voraussetzung und gute Grundlage für einen sinnvollen Gebrauch von Malprogrammen, Rechenprogrammen und PC-Spielen. Ihr Kind wird also kein PC-Muffel und verpasst nicht den Anschluss an die elektronische Welt, wenn es noch ohne Tastatur und Bildschirm auskommt. Es gibt andere Gründe dafür, dass schon jetzt die ersten Kontakte zwischen Ihrem Kind und dem PC hergestellt werden können. Da sind zum Beispiel die vielen anderen Kinder, die schon von ihren Erfolgen am PC erzählen und Ihr Kind fühlt sich zurückgesetzt; da verbringen Sie z.B. viel Zeit am PC und Ihr Kind fühlt sich ausgeschlossen; da hat es schon Erfahrungen mit dem Game-Boy gemacht und möchte seine Möglichkeiten erweitern. Halten Sie Ihr Kind nicht mit Macht vom PC fern. Verbieten ist auch hier kein sinnvolles pädagogisches Mittel. Doch Sie müssen einige wichtige Ratschläge befolgen. Mit dem Computer ist es wie mit anderen Medien auch: Sie sind nur sinnvoll, wenn man pädagogisch gut mit ihnen umgeht – tut man das nicht, so haben sie sehr negative Wirkung. Beschränken Sie die Zeit, die Ihr Kind vor dem PC verbringt, auf ein Minimum – 30 Minuten täglich sind schon reichlich. Nehmen Sie die zeitliche Beschränkung ernst; ein Vorschulkind ist – anders als ein älteres Kind oder gar ein Jugendlicher oder Erwachsener – in einer Entwicklungsphase, wo es Bewegung braucht, frische Luft und Wechsel der Sinneseindrücke (Sehen, Hören, Fühlen). Die kleinen „Computerkids“ leiden schnell an Muskelverspannungen, Rücken-, Kopf- und Muskelschmerzen, Ausschlag im Gesicht, Schwellungen der Augenlider, Wahrnehmungsstörungen und Augenflimmern. Tun Sie das den zarten Körpern nicht an.
Die Zeit an der Tastatur darf nicht zu Lasten des Umgangs mit anderen Medien (Fernsehen / Bilderbücher / Zeitschriften / Puzzle) gehen; zu einer Einschränkung kreativer Tätigkeiten (Malen, Basteln, Spielen) darf es nicht kommen, und es ist tragisch, wenn der PC zum Ersatz für mangelnde Zuwendung seitens der Eltern oder für fehlende gemeinsame Freizeitaktivitäten wird. Die mitmenschlichen Kontakte sollen durch die Beschäftigung mit dem PC nicht leiden. Ihr Kind darf sich nicht vor den Bildschirm fliehen, um Langeweile, Einsamkeit, Enttäuschungen, Misserfolge, Unsicherheit zu bewältigen. Sehen Sie zu, dass es sich mit anderen Kindern austauscht (über Kenntnisse am PC spricht, Tipps weitergibt, Programme tauscht, miteinander spielt); organisieren Sie Treffen der Kinder am PC. Zeigen auch Sie selbst (oder andere Familienmitglieder) reges Interesse, damit das Kind am PC nicht vereinsamt. Die PC-Nutzung kann sehr wohl sozial eingebunden gestaltet werden, und nur so kann sie sinnvoll sein. Lassen Sie sich von Erzieherinnen und vom Personal in Fachgeschäften oder PC-Abteilungen der Kaufhäuser altersgerechte Programme empfehlen; solche kommen zunehmend auf den Markt. So gibt es Geschicklichkeitsspiele, Mathematik- und Malsoftware für Vorschulkinder. Ansprechende Programme aus den Redaktionen „Sendung mit der Maus“ und „Löwenzahn“ werden angeboten; auch Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg und andere Idole der Kinder sind auf CD-Rom erhältlich. Beachten Sie hier die Altersangaben, die auf den Verpackungen guter Programme jedenfalls angegeben sind.
Stehen Sie vor der Wahl, einen Game-Boy bzw. eine Videospiel-Konsole oder einen PC anzuschaffen, so entscheiden Sie sich doch für den PC (der dann allerdings nicht im Kinderzimmer steht). Damit bleibt Ihr Kind nicht auf die Nutzung von Spielen beschränkt, sondern kann auf eine Vielfalt von Programmen zugreifen. Nein, ein Computer ist nicht unbedingt teurer als eine Spielkonsole; denn auf den „Schnäppchenseiten“ der Tageszeitungen finden Sie sehr günstige gebrauchte Hardware. Erkundigen Sie sich, ob der Bildschirm den Strahlenschutzvorschriften entspricht (das ist nur bei uralten Modellen nicht der Fall). Viel später, wenn Ihr Kind weit längere Zeit vor dem Bildschirm verbringt, sollten Sie sich um die besten Bildschirme, handgerechte Tastatur und wirbelsäulenfreundliche Sitzmöglichkeiten kümmern. Aber schon jetzt: Sorgen Sie für Tageslicht; der Bildschirm muss parallel zum Fenster stehen (dass das Tageslicht weder in die Augen noch auf den Bildschirm scheint) – solche scheinbaren Kleinigkeiten sind ganz wichtig; informieren Sie sich daher regelmäßig durch Fachzeitschriften und tauschen Sie Wissen mit anderen interessierten Eltern aus. Es versteht sich von selbst, dass Sie Ihr Kind vor Kriegs- und Gewaltspielen bewahren und den PC so sichern, dass es nicht ohne Ihr Beisein Zugang zu Programmen und Informationsquellen hat. (Möchten Sie sich über problematische Spiele besonders informieren, so wenden Sie sich an die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften“ in Bonn). Hat Ihr Kind ungeeignetes Material versehentlich zu sehen bekommen (z.B. Internetseiten geöffnet, die obszön oder gewaltverherrlichend sind), so machen Sie kein „Drama“ daraus – sprechen Sie mit dem Kind darüber, klären Sie, was daran so abstoßend ist; es hat viel mehr Empfinden dafür, als wir Erwachsenen oft meinen.
Dies sind die 10 häufigst gestellten Fragen, mit denen Eltern sich immer wieder an uns und an die Erzieherinnen wenden, mit denen wir zusammenarbeiten.
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