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Katastrophen,
Krieg und Terror
– wie erklären wir es unserem Kind?
Aus
dem Erziehungsratgeber
"Erzieherinnen beantworten Elternfragen"
Wenn
Nachrichten und Bilder von Katastrophen und Terroranschlägen, von Krieg und
Gewalt die Welt erschüttern, dann geht das auch an unseren Kindern nicht
vorbei. Sie fragen dann besorgt: „Kann das auch bei uns passieren?“ „Warum
gibt es so böse Menschen?“ „Warum lässt Gott das zu?“ Seit dem
Terroranschlag am 11. September 2001 auf das World-Trade-Center in New York
suchen Eltern vermehrt nach Worten, um den Kindern derart beunruhigende und beängstigende
Ereignisse zu erklären.
Die
täglichen Nachrichtensendungen im Fernsehen sind keine Kindersendungen. Sie
sollten nicht auf dem Fernsehplan Ihres Kindes stehen. Doch Ihr Kind lebt nicht
in einer isolierten, heilen Welt. Es schnappt Worte auf und fühlt Stimmungen,
die es allein nicht oder nur falsch deuten kann. Informieren Sie es daher mit
Ihren Worten über aktuelle beeindruckende und bedrückende Geschehnisse:
„Alle reden davon. Da hat ein junger Mann in einer Schule wild um sich
geschossen, mit einem Gewehr. Er hat viele Lehrer und einige Schüler getötet.
Das macht alle Menschen sehr betroffen. Wir können nicht verstehen, warum
jemand so etwas macht. Wir haben Mitleid mit den Menschen, die getötet wurden,
und mit den Freunden und Verwandten.“
Ihr
Kind wird immer wieder mal dazu kommen, wenn Bilder schrecklicher Ereignisse über
den Bildschirm laufen. Und gerade bei aufsehenerregenden Geschehnissen stellt
man ja schnell - auch während des Tages im Beisein der Kinder - das Gerät an,
um sich aktuell informieren zu lassen. Ihr Kind spürt, dass etwas Besonderes
passiert ist, und wird auch neugierig. Schließen Sie es nicht zwanghaft aus.
Gerade jetzt sind Sätze wie: „Sei still!“ „Stör nicht!“ „Merkst du
denn nicht, dass ich das sehen will!“ „Das ist nichts für dich, geh
spielen“ „Geh, mach die Tür zu!“ völlig daneben. Gerade jetzt, wenn Sie
betroffen sind und das Kind das spürt, ist „Nähe“ wichtig:
„Setz dich zu mir, da ist etwas Schreckliches geschehen. / Das versteh ich
selbst noch nicht; lass es uns erst ansehen, dann kann ich dir etwas dazu sagen.
/ Im Augenblick kann ich dir nicht helfen. Ich möchte das jetzt sehen; warte
einen Augenblick oder komm auf meinen Schoß.“
Bedenken
Sie, dass Kinder Informationen ganzheitlich aufnehmen. Nicht nur der reine
Tatbestand, sondern die Stimmung, die in Worten, in der Gestik und Mimik ausgedrückt
wird, beeindruckt sie. Besonders Ihre Reaktionen sind entscheidend, weil Sie ihm
nahe stehen und es gefühlsmäßig mit Ihnen verbunden ist. Wenn Sie persönlich
direkt betroffen sind, drückt sich Ihr Schmerz natürlich in besonders starkem
Maße aus, das ist gut so, da müssen Sie keine Rücksicht nehmen. Ansonsten
versuchen Sie sachlich zu sein. Vermeiden Sie entsetzte Aufschreie, Gesichtszüge
und Gesten, die Ihr Kind beängstigen; aber sprechen Sie Ihre Betroffenheit aus:
„Das
macht mich traurig. / Das erschreckt mich. / Da sieht man, wie hilflos wir
Menschen oft sind.“
Aus
dem Erziehungsratgeber
"Erzieherinnen beantworten Elternfragen"
Sie
müssen keine Antwort haben auf Fragen wie: „Warum geschieht das?“ „Warum
lässt Gott das zu?“ „Warum sind Menschen so?“ „Warum gibt es solche
Katastrophen?“ „Warum gibt es Leid und Tod?“ „Warum geschieht das gerade
bei uns?“ Wir Menschen dürfen Antworten schuldig bleiben, denn sehr vieles
verstehen wir eben nicht. Sagen Sie das:
„Mein Schatz, viele kluge Menschen überlegen seit vielen tausend Jahren,
warum es Not, Krankheiten, Katastrophen und alles Böse gibt. Doch keiner weiß
bisher eine Antwort. Wichtig ist, dass wir zusammenhalten und uns immer für das
Gute einsetzen.“
Wenn
Ihr religiöses Empfinden es zulässt, so geben Sie religiöse Erklärungen:
„Auf manche Fragen weiß nur Gott eine Antwort. Wir Menschen sind nur ein ganz
kleiner Teil dieser großen Welt; da verstehen wir nicht alles, so sehr wir uns
auch anstrengen und nachdenken. Und wir Menschen sind so hilflos, dass wir immer
wieder Fehler machen. Wir können nur versuchen, sie zu vermeiden. Gott will uns
dabei helfen.“
Kinder
fragen auch, warum Gott das zulässt, warum er nichts gegen das Böse tut. Auch
auf diese Frage dürfen wir gerne sagen, dass wir es nicht wissen. Wir können
versuchen Worte zu finden:
„Gott
lässt uns Menschen sehr viel Freiheit, weil er uns liebt. Wenn man jemanden
liebt, dann zwingt man ihn nicht. Darum zwingt Gott uns nicht zu gutem
Verhalten; er möchte, dass wir es selbst erkennen. Und so machen wir Menschen
dann sehr viele Fehler. Gott hat sicherlich überlegt, ob es gut ist, dass wir
Menschen so viel Freiheit haben und so viele Fehler machen. Er hat dann
versucht, uns ein Vorbild zu geben; er hat Jesus auf diese Welt geschickt und
gesagt: Seht, von ihm könnt ihr lernen, wie die Welt gut werden kann. Aber wir
schaffen es noch nicht. Immer wieder gibt es Hass, Neid, Gewalt. Wir können nur
versuchen, es besser zu machen. Gott will uns dabei helfen.“
Wenn
ein Kind etwas bedrückt, dürfen wir ohne Antwort sein - aber nicht ohne
Anteilnahme. Dann müssen wir ganz nah sein:
„Ich verstehe, dass du traurig bist, ich bin bei dir. Komm, lass dich drücken.
/ Ich
weiß nicht, warum so etwas geschieht; wichtig ist, dass wir uns gern haben. / Ich
halte dich ganz fest, ich bin bei dir und beschütze dich.“
Wenn
es Ihnen möglich ist, dann beten Sie mit dem Kind. Wir Erwachsenen haben es uns
zumeist angewöhnt, ohne Gott zu leben. Doch für ein Kind ist das schwer; denn
gerade dann, wenn auch Erwachsene und gar die Eltern ratlos sind, muss es
wissen, dass da doch noch jemand ist, dem man vertrauen kann und an den sich
auch die Eltern wenden können. Das ist die Basis für Hoffnung:
„Großer Gott, wir sind ganz traurig und hilflos. Ein Kind wurde getötet. Wir
fragen warum und finden keine Antwort. Wir wissen nicht, was wir sagen sollen.
Wir denken an die Eltern, die nun so verzweifelt sind. Auch sie fragen
sicherlich „Warum?“ und finden bestimmt auch keine Antworten. Bitte, sei du
mit deiner Liebe bei ihnen. Begleite sie und uns in dieser Nacht. Amen.“
Aus
dem Erziehungsratgeber
"Erzieherinnen beantworten Elternfragen"
Geben
Sie Ihrem Kind einfache, sachliche Erklärungen über tödliche Krankheiten und
ihre Heilung, über die naturwissenschaftlichen Hintergründe von Erdbeben,
Wirbelstürmen, Überschwemmungen, die politischen Ursachen von Kriegen und
Terror, über die Gründe für Gräueltaten und Flugzeugabstürze und andere Unfälle.
Sind
Menschen die Urheber des Bösen, wie bei Mord, Missbrauch, Terror, Krieg,
Amoklauf, so beschimpfen und verurteilen Sie nicht nur; denn dadurch entwickelt
sich beim Kind ein Gegensatz von gut und böse: Wir sind die Guten, und auf der
anderen Seite gibt es da die Bösen, die man verurteilen und wegschließen muss.
Solche Schwarz-Weiß-Malerei kann nur zu Hass und Angst führen, die ein Kind
nicht bewältigt. Seien Sie sachlich und versuchen Sie, Zusammenhänge gemeinsam
zu verstehen. Überlegen Sie in der Familie und im Freundeskreis, welche Motive
die Täter bewegt haben und warum sie so aggressiv und hilflos sind. Lassen Sie
Ihr Kind bei diesen Gesprächen dabei sein und beziehen Sie es auch aktiv ein:
„Ich
frage mich, was bringt einen Jungen dazu, so zuzuschlagen. / Woher kommt der
Hass, dass sie immer nur kämpfen. / Warum wollen sie den Anderen vernichten?“
„Kann
das auch bei uns passieren?“ „Kannst du auch sterben?“ sind Fragen, die
angesichts von Katastrophen, Krieg und Tod von Kindern schnell gestellt werden.
Dabei spielen immer auch Trennungsängste eine Rolle. Antworten Sie ehrlich.
Machen Sie aber auch deutlich, dass Sie mit all Ihrer Liebe bei Ihrem Kind sind
und es besonders dann, wenn etwas Schlimmes passiert, nicht allein lassen
werden:
„Nein, solch ein Erdbeben kann bei uns nicht passieren. ... / Es
ist ganz unwahrscheinlich, dass es einen solchen Wirbelsturm auch bei uns gibt.
... / Jeder
Mensch stirbt einmal. Ich werde auch einmal sterben; aber ich bin ja noch nicht
alt; und Menschen werden zumeist ganz alt. Ich bin sicher, ich werde noch lange
bei dir sein, bis du groß bist und selbst eine Mama bist. Ich werde dich immer
gern haben.“
Es
gibt viele bekannte Menschen - Personen der Weltgeschichte und des religiösen
Lebens, die von Unglück getroffen sind und doch neue Hoffnung finden. Bestimmt
lassen sich auch im näheren Umkreis und der Familiengeschichte solche Menschen
finden. Erzählen Sie Ihrem Kind solche Lebens-, Leidens- und
Hoffnungsgeschichten.
Dieser
Artikel ist ein Ausschnitt aus dem Erziehungsratgeber
"Kleiner Schatz, ich sag dir was"
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Dies sind die 10 häufigst gestellten Fragen, mit denen Eltern sich immer wieder an uns und an die Erzieherinnen wenden, mit denen wir zusammenarbeiten.
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