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Unserem Kind Grenzen
setzen?
Wie gelingt uns das?
Aus
dem Erziehungsratgeber
"Erzieherinnen beantworten Elternfragen"
Das ganze Leben hindurch stoßen
wir Menschen an Grenzen. Unsere Kraft hat Grenzen, unser Geld ist
begrenzt, unsere Liebe hat Grenzen und unsere Geduld, unsere Zeit ist begrenzt,
unsere Ausdauer und unsere Gesundheit – alles, was uns umgibt, birgt Möglichkeiten
und Grenzen gleichermaßen. Natürlich müssen auch Kinder diese Grenzen kennen
lernen, um sich in der Welt zurecht zu finden und in der Gemeinschaft zu leben.
Müssen Erwachsene den Kindern
die Grenzen setzen? Welche und wie viele Grenzen sind nötig? Verlieren
Sie sich nicht in diesen Fragen; sie lassen sich so nicht beantworten, denn sie
sind falsch gestellt. Die Grenzen sind ja schon da! Es wäre ungeschickt, sie zu
schaffen! Das Kind muss das Leben und die Welt real erfahren. Es geht nur darum,
die natürlichen Grenzen nicht aus missverstandener Liebe wegzuräumen.
Manche Menschen meinen, sie müssten Grenzen
schaffen, um den anderen zu erziehen. Das Ergebnis sind folgende unbrauchbare,
ja schädliche Erziehungsmittel: Bestechen, Schimpfen, Drohen und sogar
Schlagen. „Das Kind muss ja Grenzen spüren!“, hört man als Begründung.
Doch immer da, wo wir diese Grenzen setzen, treten wir in den Mittelpunkt des
Geschehens – die Sache selbst verliert an Gewicht und ein natürlicher
Lernprozess wird verhindert. Wenn ein Erwachsener droht, schimpft, etwas
wegnimmt oder das Kind einschließt, erkennt das Kind keine Grenze, sondern die
Lieblosigkeit oder Hilflosigkeit des Erwachsenen. Sein Vertrauen zu diesem
Menschen wird beschädigt. Ein Kind will sich gerne von Grenzen einschränken
lassen, denn es lernt gern; es will sich jedoch nicht vom Willen der Erwachsenen
beherrschen lassen, denn es strebt (und das ist sehr gesund) nach Eigenständigkeit
und Mündigkeit – es möchte gern erwachsen werden.
Ein Sprichwort sagt: „Das gebrannte Kind scheut das
Feuer.“ Diese Volksweisheit verdeutlicht, wie ein Kind durch natürliche
Grenzen lernt: Wenn es zu schnell läuft, stürzt es; wenn es nicht essen will,
hat es später Hunger; wenn zu laut schreit, wenden sich die Menschen ab; wenn
es schlägt, ist es allein.
Aus
dem Erziehungsratgeber
"Erzieherinnen beantworten Elternfragen"
Wo immer es möglich ist,
lassen Sie das Kind die natürlichen Folgen seines Verhaltens spüren. Nehmen
Sie diese einsichtigen Grenzen nicht weg. So merkt es selbst, dass es sich demnächst
anders verhalten muss, um diese Folgen zu vermeiden. Versuchen Sie nicht, den
Lerneffekt durch Erklärungen zu verstärken, denn das wird vom Kind schnell
missverstanden, als seien Sie für die natürliche Folge verantwortlich.
Vermitteln Sie dem Kind nicht
den Eindruck, dass Sie sich über diese Grenzen freuen oder sie sogar
absichtlich setzen. Enthalten Sie sich also aller entsprechenden
Kommentare. Das ist also daneben: „Jetzt siehst du, was du davon hast!“ oder
„Das ist die Folge, wenn man sich so verhält!“ Bleiben Sie sachlich, d. h.
nehmen auch Sie die ‚Folgen’ als natürlich hin und zeigen Sie ggf. Verständnis
für den „Schmerz“, den Ihr Kind ausdrückt:
Ich
weiß, das tut weh! / Das tut mir auch Leid! / Ich hätte dich gern davor
bewahrt.
Nicht alle Grenzen kann das
Kind selbst erkunden. Bei vielen Verhaltensweisen treten die Folgen erst
spät auf oder sind zu gefährlich, als dass das Kind die Grenzen selbst
austesten kann. So kann es nicht unendlich oft mit dem Karussell fahren oder so
viel Süßigkeiten essen, wie es gern möchte. Ebenso sind begrenzt: Das Geld,
das es zu verdienen und zu verwalten gilt, die Gesundheit, die ein kostbares Gut
ist, die Zeit, die es einzuteilen gilt, damit man sich nicht verzettelt. Erklären
Sie dem Kind solche natürlichen Grenzen liebevoll, damit es nicht den Eindruck
gewinnt, es wären nur Ihre Launen. Gehen auch Sie sorgsam mit diesen Gütern um
und geben Sie dem Kind immer wieder Einblick in Ihre Einteilungen und
verantwortungsvollen Entscheidungen; denn das Kind lernt in erster Linie durch
Ihr Beispiel:
Sieh
mal, unser Geld ist auch begrenzt; gerne würden wir ...; doch wir müssen uns
unser Geld einteilen und da können wir uns eben manches nicht leisten. / Weil
ich dich lieb hab, kann ich das gar nicht zulassen, denn du würdest dich
hinterher ganz übel fühlen. / Sieh mal, der Zeiger der Uhr läuft immer
weiter; so haben wir nur begrenzte Zeit, die wir uns einteilen müssen; wir müssen
jetzt losgehen, wenn wir um 11.00 Uhr wieder zu Hause sein wollen.
Damit
das Kind lernt, sich in der Welt zurecht zu finden, legen Sie mit ihm gemeinsam
Regeln fest, die für das alltägliche Miteinander nötig sind. Diese
Regeln sollten so sein, dass sie erfüllbar sind – überfordern Sie das Kind
nicht. Dies sind Beispiele für solche notwendigen Regeln:
Zwischen den Mahlzeiten gibt es nichts zu Essen. Die
Sesamstraße wird erst eingeschaltet, wenn das Haustier versorgt ist. Das nächste
Spiel wird erst begonnen, wenn das andere weggeräumt ist. Süßigkeiten gibt es
nur, wenn regelmäßig die Zähne geputzt werden. Die Mittagsruhe der Eltern
wird in der Zeit von 14.00 bis 15.00 unbedingt beachtet.
Das
Kind sollte sehen, dass auch für Sie Regeln gelten.
Aus
dem Erziehungsratgeber
"Erzieherinnen beantworten Elternfragen"
Der alte Satz des Philosophen Kant, „Die Freiheit
eines Menschen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt!“, ist auch
heute noch richtig und wichtig. Ein Kind soll durchaus lernen, dass es nicht
schlagen darf, den anderen Menschen nicht tyrannisieren kann, das Eigentum des
anderen achten soll, den Eltern Ruhezeiten gewähren muss und vieles mehr.
Es lernt dies durch die Folgen: Wer geschlagen wird, geht weg, der Schläger ist einsam; den man
beherrschen will, der wendet sich ab; was man absichtlich kaputt macht, hat man
nicht mehr, es wird auch nicht ersetzt:
So
nicht! / Da mache ich nicht mit! / Wir haben das Spiel nicht mehr, es ist
kaputt!
Vergessen Sie nicht: Das Kind
ist Ihr Partner, nicht Ihr Feind oder Sklave! Bleiben Sie sachlich!
Beherrschen Sie Ihre Launen. Vorwürfe, Häme, Ironie, Aggressionen sind im
Umgang mit Kindern immer fehl am Platz. Erklären Sie viel partnerschaftlich;
besprechen Sie Reglungen und die Folgen ihrer Missachtung. Bleiben Sie dabei
„demokratisch“, das heißt: Das gute Argument zählt – nicht Ihre Kraft
und geistige Überlegenheit. Oft sind auch Sie selbst im Irrtum; seien Sie lernfähig,
gestehen Sie sich Fehler ein. Haben Sie keine Scheu davor, aufgestellte Regeln
neu zu überdenken. Bilden Sie sich in Erziehungsfragen weiter – entsprechende
Elternzeitschriften und Ratgeber sind in dieser Zeit mit Sicherheit wichtiger
als manche Illustrierte oder die tägliche Bildzeitung.
Dieser
Artikel ist ein Ausschnitt aus dem Erziehungsratgeber
"Kleiner Schatz, ich sag dir was"
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Dies sind die 10 häufigst gestellten Fragen, mit denen Eltern sich immer wieder an uns und an die Erzieherinnen wenden, mit denen wir zusammenarbeiten.
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