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Keine Zeit – und dennoch eine gute Mutter sein(Kapitels aus dem Erziehungsratgeber "Gestresste Eltern - Starke Kinder")
Ob Eltern viel oder wenig Zeit für ihr Kind haben, ist ein verbreiteter Maßstab für die Güte familiärer Erziehung. Oftmals hört man diese Wertung: „Gute Eltern nehmen sich viel Zeit für ihr Kind; schlechte Eltern haben viele andere Interessen!“ So einleuchtend diese Beurteilung auch scheinen mag, sie ist dennoch zu oberflächlich. Denn Zeit ist ein Maßstab für Quantität, in der Erziehung kommt es dagegen in erster Linie auf die Qualität an. Die Zeit, die Eltern für Kinder aufbringen, ist sicherlich ein Aspekt für gelingende Erziehung, aber eben nur einer. Bei genauerer Betrachtung wird schnell deutlich: Weniger Zeit kann mehr sein, und mehr Zeit ist nicht automatisch eine Garantie für gute Erziehung. Achten Sie zunächst auf Qualität. Das heißt: Füllen Sie die wenige Zeit, die Ihnen mit Ihrem Kind zur Verfügung steht, sinnvoll: Legen Sie Wert auf gute Gespräche. Kurzes, aber intensives, partnerschaftliches Miteinanderreden hat weit mehr Wert als ausgiebiges, aber oberflächliches aneinander Vorbeireden und aufeinander Einreden. Ob Eltern viel oder wenig Zeit für ihr Kind haben, ist ein verbreiteter Maßstab für die Güte familiärer Erziehung. Oftmals hört man diese Wertung: „Gute Eltern nehmen sich viel Zeit für ihr Kind; schlechte Eltern haben viele andere Interessen!“ So einleuchtend diese Beurteilung auch scheinen mag, sie ist dennoch zu oberflächlich. Denn Zeit ist ein Maßstab für Quantität, in der Erziehung kommt es dagegen in erster Linie auf die Qualität an. Die Zeit, die Eltern für Kinder aufbringen, ist sicherlich ein Aspekt für gelingende Erziehung, aber eben nur einer. Bei genauerer Betrachtung wird schnell deutlich: Weniger Zeit kann mehr sein, und mehr Zeit ist nicht automatisch eine Garantie für gute Erziehung.Achten Sie zunächst auf Qualität. Das heißt: Füllen Sie die wenige Zeit, die Ihnen mit Ihrem Kind zur Verfügung steht, sinnvoll: Legen Sie Wert auf gute Gespräche. Kurzes, aber intensives, partnerschaftliches Miteinanderreden hat weit mehr Wert als ausgiebiges, aber oberflächliches aneinander Vorbeireden und aufeinander Einreden. Seien Sie achtsam. Sehen, hören, fühlen Sie, was Ihr Kind innerlich bewegt. Erkennen Sie die Situationen, in denen das Kind Sie nicht vermissen möchte. Es sind Schlüsselmomente; denn sie entscheiden darüber, ob ein Kind sich grundsätzlich beachtet oder allein gelassen fühlt. Diese Augenblicke öffnen oder verschließen Ihnen das Herz des Kindes. Kosten Sie mit dem Kind Momente aus, in denen Sie gemeinsam die Zeit vergessen. Genießen Sie das miteinander Schmusen, Träumen, Beten, Spielen, frei von Hektik und Anspannung, ohne Uhr oder Terminplaner. Begeben Sie sich mindestens einmal täglich mit Ihrem Kind auf eine solche Zeitinsel. Zeigen Sie bei Lernprozessen die notwendige Geduld. Lernen Sie zu motivieren statt zu drängen. Was Zeit zum Reifen braucht oder nur durch stete Übung zur Perfektion gelangt, wird durch Beschleunigungsversuche zerstört.
Schlüsselmomente(Abschnitt aus dem Erziehungsratgeber "Gestresste Eltern - Starke Kinder") Kinder haben Verständnis dafür, wenn Eltern wenig Zeit haben. Wird die geringe Zeit befriedigend genutzt, so wirkt sich der Zeitmangel nicht negativ auf ihre Entwicklung, ihr Gefühlsleben oder Verhalten aus. Doch in Situationen, in denen das Gefühlsleben eines Kindes in besonderem Maße aufgewühlt ist, muss zumindest der Vater oder die Mutter da sein. Wenn Ihr Kind Grund hat, in außerordentlichem Maße stolz, aufgeregt, unsicher, traurig oder hoffnungsvoll zu sein, wenn seine Unsicherheiten, Verlustängste, seine Furcht oder Verzweiflung Höhepunkte erreichen, dürfen Sie nicht fehlen. Das sind „Schlüsselerlebnisse“, weil durch sie die Weichen für das zukünftige Gefühlsleben gestellt werden. Sie brennen sich in die Erinnerung und in das Nervensystem, um dort ein Leben lang gute oder schlechte Empfindungen auszulösen. ‚Schlüsselerlebnisse’ sind es auch, weil Ihr Verhalten in diesen kurzen Abschnitten entscheidet, ob das Herz des Kindes für Sie aufgeschlossen oder verschlossen wird.
Wenn Trauer die Seele des Kindes bewegt, wenn z.B. ein vertrauter Mensch wegzieht, wenn es selbst umziehen muss, wenn das Haustier oder ein geliebter Mensch krank ist oder stirbt, braucht es Sie. Ihre stille, verständnisvolle Anteilnahme genügt, ist dann aber das Mindeste. Bei Ereignissen, denen es ängstlich bzw. freudig entgegen fieberte, für die es mit viel Engagement trainiert und geprobt hat, will es Sie sehen und fühlen! Bei Wettbewerben, Auftritten, Prüfungen braucht es Ihre Aufmerksamkeit, Ihr Staunen, Ihre spontane Anerkennung und gegebenenfalls Ihren Trost bei Enttäuschungen. Bei wegweisenden Stationen auf seinem Lebensweg dürfen Sie als sein „Wegbegleiter“ nicht fehlen. Das sind insbesondere der erste Kindergartentag, der Schulbeginn, die Schulentlassung und der Schulwechsel, die Kommunion bzw. Konfirmation, seine Geburtstage. Wird es dann allein gelassen, so spürt es, dass es in der langen, vor ihm liegenden Zeit allein sein wird. Das schürt seine Zukunftsängste. Sind Sie dagegen an den „Weggabelungen“ und „Wendepunkten“ greifbar nah, so kann es getrost längere Strecken ohne Ihre körperliche Anwesenheit gehen. Entlasten Sie sich durch die besondere Wahrnehmung dieser bedeutenden „Schlüsselmomente“. Kindliche Verlustängste erreichen in folgenden Situationen einen Höhepunkt: wenn Ihr Kind erfährt, dass es zum ersten Mal oder für längere Zeit von Ihnen getrennt sein wird, wenn Sie allein zu einer Reise aufbrechen oder es eine Reise oder eine Freizeit ohne Sie antritt, wenn es ins Krankenhaus muss oder zu einer Kur. Sie müssen Zeit haben, es zu verabschieden und wieder in Empfang zu nehmen. Dann spürt es, dass Sie auch in der Zwischenzeit ‚da’ sind. Aufbrechen und Zurückkommen sind bedeutende Erlebnisse. In manchen Situationen (insbesondere beim Krankenhausaufenthalt) braucht es auch zwischendurch Ihre Anwesenheit, in anderen (z.B. im Feriencamp) sollen Sie und Ihr Kind lernen, einander loszulassen. Jedes Mal, wenn man sich an der Haustür verabschiedet oder wieder zusammenkommt, erleben Eltern und Kinder eine kleine Situation der Trennung und des sich Wiederfindens. Dies bleiben bis ins Jugendalter und darüber hinaus bedeutsame Situationen. Kinder dürfen es nicht als Regelfall erleben, dass man sich morgens ohne Abschiedsgruß (und -kuss) trennt und später ohne sichtbare Freude wieder zusammenkommt. Die liebevolle Verabschiedung an der Tür und die Sicherheit, dass jemand das Zurückkommen ersehnt und sich freuen wird, geben ihm Kraft für die Zeit, in der es unterwegs ist. Selbst wenn Mutter, Vater oder Kind nur für kürzere Zeit das Haus verlassen, ist das ein Grund, sich mit Worten und Blicken zu verabschieden und es ebenso zu halten, wenn man wieder zurückkommt. Das sind (wenn auch nur kleine) Höhepunkte in der Gefühlsdynamik des Tages; es gilt dieses Gefühlsleben lebendig zu halten. Das kostet nicht viel Zeit: „Ich wünsche dir alles Gute für den Tag. / Ich denk an dich. / Tschüss, bis nachher. / Hallo, ich bin zurück. / Schön, dass du wieder da bist.“ Fehlen Sie nicht beständig, wenn es darum geht, die Interessen des Kindes zu vertreten. Treten Probleme auf, in die Ihr Kind (im Kindergarten, in der Schule, im Verein, in der Nachbarschaft) verwickelt ist, so seien Sie bedingungslos da. Zeitmangel ist dann kein Argument. Ihr Kind muss die Gewissheit haben, dass Sie sich an seiner Seite engagiert für gerechte Problemlösungen einsetzen. Planen Sie Ihre Beteiligung bei Festen und Feierlichkeiten, bei Elternversammlungen und Elternsprechtagen in Schule und Kindergarten fest ein. Zeitinseln(Aus dem Erziehungsratgeber "Gestresste Eltern - Starke Kinder") Sorgen Sie regelmäßig für Zeitabschnitte, die völlig frei von Zeitdruck und Hektik sind. Dann hat das Kind Sie ‚hier und jetzt’ ganz für sich und weiß, dass Sie weder an die Uhr noch an den Terminkalender denken. So wie eine Insel im Meer nicht groß sein muss, um einem Schiffbrüchigen Halt unter den Füßen zu geben, müssen diese „Zeitinseln“ im tobenden Alltag nicht von großer Dauer sein. Es genügen dafür wenige Minuten. So kann es nicht die Frage sein, ob Sie diese Zeit erübrigen können! Aber können Sie so ganz „abschalten“? Es ist wieder ein Gedankenspiel, dass Ihnen helfen kann. Setzen Sie sich dazu an einem ruhigen Ort mit geradem Rücken auf einen Stuhl: Wandern Sie in Gedanken über Ihren Körper, vom Kopf bis zu den Füßen und zurück. Sie sagen zu sich: „Das bin ich, wie ich hier sitze.“ Gleich werden Sie alle Muskeln für einen Augenblick bewusst anspannen und dabei intensiv beobachten. Tun Sie dies allerdings zunächst nur in Gedanken: Sie pressen die Lippen aufeinander, machen Fäuste, drücken die Arme an den Körper, die Schultern nach hinten; Sie verhärten Ihren Bauch, als wollten Sie einen Schlag abwehren; Sie strecken die Beine von sich und drücken sie dabei aneinander. Nachdem Sie dies gedanklich durchgegangen sind, spannen Sie jetzt den Körper wirklich so an. Sagen Sie zu sich: ‚So bin ich, wenn ich angespannt bin, wenn ich keine Zeit habe, wenn man mich hetzt.’ Lassen Sie alle Muskeln los, entspannen Sie sich. Beobachten Sie Ihren Körper. Schließen Sie die Augen. Stellen Sie sich über Ihrem Kopf eine große Uhr vor, deren Sekundenzeiger sich Sekunde für Sekunde weiter bewegt. Schauen Sie diesen Zeiger an. Lassen Sie die Uhr nun mit der Kraft Ihrer Gedanken stillstehen. Der Zeiger bewegt sich nicht mehr. Betrachten Sie die stillstehende Uhr. Sagen Sie zu sich: „Die Zeit steht still. Ich habe Zeit. Niemand drängt mich. Kein Termin wartet. Die Zeit steht still; ich spüre die Ruhe am ganzen Körper. Ich sehe die stillstehende Uhr!“ Wiederholen Sie dies für einige Zeit mehrfach täglich. Ihre Fähigkeit sich zu entspannen wird sich steigern. Beginnen Sie immer mit der bewussten Anspannung aller Muskeln. Weil Muskeln nach einer Anspannung immer automatisch, ohne Zutun in die Entspannung pendeln, kann diese Übung erfolgreich sein. Sie müssen diese Entspannung allerdings in Ruhe wahrnehmen. Später, in Situationen, in denen Sie mit Ihrem Kind abspannen und die Zeit vergessen möchten, erinnern Sie sich einfach an diese Wahrnehmung.
Dies sind Beispiele für solche Zeitinseln:Sie haben Ihr Kleines auf dem Schoß, einfach nur, um es zu streicheln und zu kraulen / Sie liegen mit ihm auf dem Fußboden und hören seine Lieblingskassette / Sie lernen am Abend von ihm das Lied, das es im Kindergarten gesungen hat / Sie singen am Morgen das Lied, das Sie am Abend von ihm lernten / Sie erzählen ihm eine Geschichte oder lesen etwas vor / Sie malen gemeinsam ein Bild / Sie beobachten den Sonnenunter- oder -aufgang / Sie sitzen an seinem Bett und blicken zusammen auf die schönen Erlebnisse des Tages zurück / Sie beten zusammen mit Ihrem Kind. Ein Gebet ist eine ideale kleine Auszeit aus Hektik, Stress und seelischer Belastung. Es ist heilsam, wenn ein Mensch anerkennen mag, dass eine größere Macht über ihm steht, der er sich zuwenden kann. Entlasten Sie sich, indem Sie Gott Ihre Sorgen, Hoffnungen, Freuden – alles, was Sie bewegt – mitteilen. Durch Ihr Gebet mit dem Kind erkennt es, dass Sie als Eltern nicht das „Höchste“ sind, dass auch Sie jemanden haben, an den Sie sich wenden können, dem Sie sich öffnen, dem Sie vertrauen. Es erkennt, dass Sie nicht allein sind und einen Halt haben; somit festigt sich der Grund für seine Geborgenheit: „Großer Gott, dir kann ich alles sagen. Du hörst mir zu. Du verstehst mich. Vor dir kann ich innehalten und überlegen, wie es mir geht. Heute möchte ich dir mitteilen, dass ich so glücklich bin, meine Tochter zu haben. Oft denke ich, ich sollte mehr Zeit für sie aufbringen; vielleicht fühlt sie sich manchmal allein gelassen. Sei du bei uns, verbinde uns, gib uns Kraft – wenn wir zusammen sind und wenn wir uns vermissen. Amen.“ Betrügen Sie das Kind nicht um die stärkende Erfahrung des Betens. Es fördert sein Vertrauen und seine Offenheit Ihnen gegenüber. Es ermöglicht ihm schließlich selbst, eigene Erfahrungen mit Gott zu teilen. Ein Gebet zu sprechen ist nicht schwierig. Beginnen Sie mit einzelnen Sätzen. Zunehmend werden Sie mehr von dem ausbreiten, was Sie und Ihr Kind bewegt. Sprechen Sie einfach, mit Ihren Worten oder den Worten des Kindes, so als ob Sie einem lieben Menschen etwas erzählen, der sich für Sie interessiert und dem Sie alles anvertrauen können. Die Anrede zu Beginn (z.B. „Lieber Gott“) ist wie ein Gruß und das Amen ist die Verabschiedung. Beschränken Sie sich im Gebet nicht nur auf das Belastende; auch der Ausdruck von Freude, Dank, Hoffnung hat hier seinen Platz: "Allmächtiger Gott, heute haben wir viel vor; begleite uns bitte durch den Tag. Amen. / Treuer Gott, wir möchten dir nur sagen, dass uns Omas Gesundheit große Sorge macht. Sei du mit aller Kraft, die du hast, bei ihr. Amen“ Manchmal entstehen die Zeitinseln ganz von allein. Es sind die Momente, in denen man spürt, dass man sich menschlich nah ist, sich mag, und dass dies wichtiger ist als alles, was uns durch den Tag hetzt. Somit kann das gemeinsame Tischdecken dazu werden, wie das Mittag- oder Abendessen, der Einkaufsbummel, der Spaziergang. Ein solches Erlebnis sollte Ihr Kind mindestens täglich haben. Gelingt Ihnen das nicht, so nutzen Sie unbedingt das Wochenende dafür. Erkennen Sie an der Sehnsucht oder auch an der Unausgeglichenheit des Kindes, dass es an der Zeit ist, eine solche Insel entstehen zu lassen. Nehmen Sie solche Gelegenheiten spontan wahr; diese Aufmerksamkeit nimmt Ihnen nur geringe Zeit, schafft Ihnen längerfristig gesehen aber umso mehr. Gespräche intensivieren(Aus dem Erziehungsratgeber "Gestresste Eltern - Starke Kinder") Wenn Sie mit Ihrem Kind sprechen, so schauen Sie es möglichst intensiv an. Stellen Sie sich dazu immer wieder mal einen Rahmen um das Gesicht Ihres Kindes vor. Ihr Blick wird oft aus dem Rahmen schweifen wollen. Doch betrachten Sie ihn als Grenze, die Ihr Blick nicht überschreitet. Durch diese gedankliche Übung rückt Ihr Kind in den Mittelpunkt Ihrer Aufmerksamkeit. Schon bald werden Sie merken, dass Ihr Blick und Ihre Gedanken automatisch Ihr Kind suchen, sobald Sie mit ihm sprechen. Erweitern Sie die Übung auf andere Familienmitglieder. Kurze Gespräche gewinnen an Gewicht; das gleicht Zeitmangel gut aus. Unter Zeitdruck und in Hektik leidet die Gesprächskultur der ganzen Familie. Was der andere sagt, wird zunehmend gleichgültig. Das Miteinander wird oberflächlich. Allein dass alle gemeinsam darauf achten, sich gegenseitig beim Sprechen anzusehen und wahrzunehmen, erhöht das Gewicht des Zusammenseins. Allerdings wird Ihr Kind die theoretische Übung, sich einen Rahmen um das Gesicht des Gesprächspartners vorzustellen, kaum nachvollziehen können. Doch praktisch und spielerisch können Sie es dafür gewinnen. Spielen Sie! Basteln Sie mit dem Kind einen Rahmen aus Pappe, der wie die Front eines Fernsehgerätes aussieht. Halten Sie diesen zwischen sich, sprechen Sie zueinander aus dem ‚Fernsehgerät’. Das Gesprächsthema müssen Sie nicht krampfhaft suchen; erzählen sie sich, was gerade anliegt. Der Blick bleibt innerhalb des Rahmens; das ist die Spielregel. Kinder machen solche Spiele gern mit. So trainieren Sie die Aufmerksamkeit und das Gesprächsverhalten Ihres Kindes. Auch ohne Hilfsmittel wird seine Blickrichtung dann vermehrt in Ihre Richtung gehen. Wiederholen Sie dieses Spiel des Öfteren. Ein ‚Fernsehgespräch’ kann zum täglichen Ritual werden oder der Rahmen zum Signal, dass man nun etwas Wichtiges zu sagen hat: „Schau, ich habe hier einen Rahmen aus Pappe ausgeschnitten. Ja, er sieht wie ein Fernsehgerät aus. Ich spreche hindurch. Du siehst mich wie ein Gesicht im Fernsehen. Nun sprichst du durch den Rahmen. So können wir uns manchmal durch den Rahmen unterhalten. / Nimm den Rahmen, wenn du mir etwas sagen möchtest, bei dem ich ganz besonders zuhören soll. Mit diesem Rahmen hört man viel besser, was der andere sagt. Man ist nicht so abgelenkt. / Hat man den Rahmen nicht griffbereit, kann man ihn sich einfach vorstellen. Wenn meine Gedanken woanders sind, während ich mit dir rede, so erinnere mich einfach mit dem Stichwort ‚Rahmen!’ daran, dir Aufmerksamkeit zu schenken.“
Unaufmerksame Gespräche dienen gerade mal dazu, oberflächliche Informationen auszutauschen. Doch selbst das gelingt ohne Konzentration auf die Person, mit der man spricht, nur mangelhaft. Seien Sie, mit oder ohne Rahmenübung, im Gespräch bei Ihrem Kind. Lassen Sie es erleben, dass Sie mit Ihrer ganzen Aufmerksamkeit da sind. Sagen Sie sich ‚Stopp’, wenn Sie sich dabei ertappen, dass Ihre Gedanken anderswohin eilen: Stopp! Jetzt bin ich ganz bei meinem Kind. Ich bin ihm nah, meine Kraft gehört jetzt ihm. Ich schaue es an, ‚lese’ in seinem Gesicht, verstehe seine Worte. Ich antworte und frage nach. Diese Nähe ist keine Frage von Zeit, sondern vom Bewusstsein dessen, dass Ihr Kind Sie in den kurzen Momenten umso intensiver braucht. Nähe, Offenheit und wirkliches „Da-sein“ zeigt sich insbesondere in Ihrer Körpersprache. Gehen Sie auf Augenhöhe, schauen Sie neugierig, lächeln Sie, nicken Sie; nehmen Sie Körperkontakt auf, indem Sie seine Hand halten, Ihre Hand auf seine Schulter legen oder das Kind auf den Schoß nehmen. Ein Kind hat im Laufe eines jeden Tages Erlebnisse, die heftige Gefühle bei ihm auslösen: Es wundert, freut und ärgert sich, es staunt, ist neugierig und manchmal traurig. Diese Emotionen sind Ihrem Kind besonders wichtig. Erforschen Sie die Gefühle in seinen Sätzen, im Tonfall, in seiner Mimik und Gestik. Sprechen Sie Ihre Beobachtungen aus, sodass das Kind diese bestätigen oder berichtigen kann. Sie werden seine Anliegen zunehmend besser verstehen: „Du bist sehr sauer! / Du platzt ja vor Neugierde! / Du bist so aufgeregt, dass es dir die Sprache verschlägt? / Das war ja spannend für dich! / Ich habe den Eindruck, dass du dich etwas schämst. / Das kannst du gar nicht begreifen! / Das wundert dich sehr! / Das macht dir Kopfzerbrechen. / Du kannst dich gar nicht beruhigen! / Du bist gefühlsmäßig hin- und hergerissen! / Du magst dich gar nicht entscheiden!“ Gespräch führen heißt: mitdenken, nachfragen, weiterdenken, durch die eigene Neugierde das Gespräch und damit das Kind vorwärts bringen. Helfen Sie dem Kind so, im Gespräch Situationen zu durchdenken, vorwegzunehmen, Möglichkeiten zu erforschen, Alternativen abzuwägen. Analysieren Sie selbst Ihre Gespräche; solche Sätze sollen häufig vorkommen: „Was willst du tun, wenn es nicht klappt? / Wie willst du dich dann verhalten? / Wie willst du das erreichen? / Wie wirst du reagieren? / Wie willst du ihm morgen entgegentreten? / Was meinst du, wie du dich dann fühlen wirst? / Du kannst diese Ungerechtigkeit so hinnehmen oder dich beschweren. / Du kannst den ersten Schritt tun, indem du ihn ansprichst, oder warten. / Du kannst es verheimlichen oder dazu stehen." Starke Menschen können in Gedanken ihre Gefühle, Sehnsüchte, Hoffnungen, Ideen ergründen; sie können bei Unzufriedenheit Alternativen abwägen und auf diese Weise Wege aus einer persönlichen Krise suchen und finden. Die Art und Weise, wie Sie mit Ihrem Kind sprachlich umgehen, ist bedeutsam für das Erlernen dieser Fähigkeit: Vergegenwärtigen Sie sich, dass Sie Bemerkungen Ihres Kindes üblicherweise in vier einfache Stufen einteilen können. Erste Stufe: Es spricht über Belangloses, über Dinge und Personen, mit denen es persönlich nichts verbindet. / Zweite Stufe: Es spricht über die Dinge und Personen, mit denen es Kontakt und eine Beziehung hat. Dabei erwähnt es seine diesbezüglichen Gefühle nicht. / Dritte Stufe: Es spricht über diese Dinge und Personen sowie über seine entsprechenden Gefühle, ohne zu ergründen, wie es selbst damit umgehen kann. / Vierte Stufe: Es spricht über diese persönlichen Dinge und Personen, auch über seine Gefühle dazu; es ergründet seine Gefühle genauer und wägt Möglichkeiten und Alternativen ab, mit ihnen umzugehen. Versuchen Sie zu erkennen, auf welcher dieser Stufen sich aktuelle Äußerungen Ihres Kindes jeweils befinden. Ziehen Sie durch Ihre Unachtsamkeit ein Gespräch nicht auf eine niedrigere Stufe. Denn so schwächen Sie Ihr Kind nicht nur, Sie machen es auf Dauer reif für den Psychiater: Es spricht über seine Beziehungen – Sie wechseln zu Belanglosem. / Es eröffnet Ihnen Gefühle – Sie reagieren mit Äußerlichkeiten. / Es findet Ansätze, sich zu ergründen, und Möglichkeiten zu erforschen – Sie verhaften sprachlich bei den aktuellen Gefühlen.
Vielleicht gelingt es Ihnen sogar manchmal, das Kind auf eine nächste Stufe zu ‚heben’: Bringen Sie Dinge und Personen ins Gespräch, mit denen es etwas verbindet; locken Sie es, seine Gefühle zu äußern; helfen Sie ihm, diese zu ergründen und abzuwägen. Keine Zeit für gute Gespräche und mangelndes Verständnis führen dazu, dass Ihr Kind still wird. Lassen Sie nicht zu, dass es sich zurückzieht. Locken Sie es immer wieder zu Gesprächen. Sich innerhalb der Familie im Gespräch zu öffnen ist ein Bedürfnis von außerordentlicher Bedeutung. Wird dieser Drang verschüttet, so führt das zu Verhaltensstörungen, deren Folgen Ihre Zeit mit Sicherheit mehr in Anspruch nehmen werden als jedes Gespräch. Machen Sie es sich zum Prinzip, nicht oberflächlich zuzuhören. Betonen Sie nicht: „Ich höre dir ja zu!“, wenn Sie gerade keine Kraft und Zeit haben, sich auf ein Gespräch einzulassen. Besser ist es, ehrlich zu sein und liebevoll um Geduld zu bitten: „Warte einen Augenblick. Ich kann mich gleich um dich kümmern. / Schatz, ich bin heute so ‚erschossen’, ich kann dir nicht richtig folgen. Lass uns das nachher besprechen, wenn ich mich etwas ausgeruht habe. / Ich muss noch einige Dinge erledigen, die mich so sehr in Beschlag nehmen. Nachher habe ich viel mehr Kraft, dir richtig zuzuhören. / Ich weiß, es ist sehr wichtig, was du mit mir klären willst. Gerade deshalb ist es besser, es mit Oma zu besprechen. Ich kann mich im Augenblick nicht richtig auf deine Anliegen einstellen.“
Kind und Job(Teil eines Kapitels aus dem Erziehungsratgeber "Gestresste Eltern - Starke Kinder") Kind und Job, ist es möglich, beides zu vereinbaren? Auf den ersten Blick scheint es selbstverständlich, dass Eltern ihre Aufgabe als Vater oder Mutter am besten ausfüllen können, wenn sie nicht Teile ihrer Zeit und Kraft dem Beruf widmen. Doch die vielen Kinder, die ‚glücklich’ sind, obwohl kein Elternteil ganztags, ohne Berufstätigkeit für sie da ist, bringen diese ‚Selbstverständlichkeit’ ins Wanken. Bei genauerer Betrachtung erkennt man, dass die Frage: Dürfen beide Eltern bzw. darf das allein erziehende Elternteil arbeiten? falsch gestellt ist. Wichtiger ist die Frage: Wie können Eltern glückliche Eltern sein? Denn glückliche Eltern sind in der Regel gute Eltern. Wenn die Aufnahme einer Berufstätigkeit eine Möglichkeit ist, die Zufriedenheit bei Vater bzw. Mutter zu steigern, dann sollte sie jedenfalls positiv bedacht und ermöglicht werden. Sicherlich braucht jedes Kind eine enge Bezugsperson. Die Qualität dieses ‚pädagogischen Verhältnisses’ ist aber nicht in erster Linie durch die Zeit gekennzeichnet, die Eltern zur Verfügung haben; das ist im vorangegangenen Kapitel deutlich geworden. Es geht darum, die beschränkte Zeit qualitativ aufzuwerten; und durch die Berufstätigkeit kommen weitere pädagogische und organisatorische Aufgaben auf Sie zu. Insbesondere müssen Job und Erziehung in ein optimales Verhältnis zueinander gebracht werden, das dem Kind und dem Beruf gut tut. Das Rollenverständnis und die Aufgaben in der Familie gilt es neu zu definieren und aufzuteilen. Zumeist steht man zudem vor der verantwortungsvollen Aufgabe, zusätzliche, gute Bezugspersonen zu finden. >Rollenverständnis klären(Teil eines Kapitels aus dem Erziehungsratgeber "Gestresste Eltern - Starke Kinder") Die neue Rolle als berufstätige Mutter (oder berufstätiger Vater) bedeutet Abschied von der Rolle zu nehmen, die man als ‚nur Mutter’ bzw. ‚nur Vater’ ausfüllte. Mit der Berufstätigkeit beginnt ein neuer Lebensabschnitt für Sie und die Familie. Er bringt für Vater, Mutter, Kinder und Großeltern veränderte Anforderungen, Selbstverständlichkeiten, Zeiteinteilungen und Aufgabenverteilungen. Diese Veränderungen müssen gemeinsam wahrgenommen, bedacht und verantwortet werden. Der Beginn Ihrer Berufstätigkeit ist ein bedeutendes Ereignis für die gesamte Familie; wechseln Sie Ihre Rolle nicht still, als sei dieser Schritt etwas Alltägliches: „Es beginnt ein neuer Abschnitt für mich und unsere ganze Familie. Manch bange Frage bewegt uns; wir blicken aber auch mit sehr viel Hoffnung in die Zukunft. Eine solche Wende, bei der man etwas hinter sich lässt und Neues beginnt, ist ein guter Grund für eine Feier. Lasst uns z.B. ein gemeinsames Festessen vorbereiten oder eine Feier organisieren. Dabei können wir überlegen, von welchen schönen und belastenden Dingen wir Abschied nehmen werden und was alles an Ungewohntem auf uns zukommt.“ „Es beginnt ein neuer Abschnitt für mich und unsere ganze Familie. Manch bange Frage bewegt uns; wir blicken aber auch mit sehr viel Hoffnung in die Zukunft. Eine solche Wende, bei der man etwas hinter sich lässt und Neues beginnt, ist ein guter Grund für eine Feier. Lasst uns z.B. ein gemeinsames Festessen vorbereiten oder eine Feier organisieren. Dabei können wir überlegen, von welchen schönen und belastenden Dingen wir Abschied nehmen werden und was alles an Ungewohntem auf uns zukommt.“ Alle Beteiligten müssen ausdrücklich die Ideologie ablegen, die behauptet, eine Person (am besten die „Nur-Mutter“) müsse sich für das Kind aufopfern und sei für all seine wichtigen Belange zuständig. Wenn Sie die ‚alte Rolle’ bewusst, überzeugt und selbstsicher hinter sich lassen, ist das ein sicheres Fundament für eine weiterhin starke Beziehung zu Ihrem Kind. Klären Sie Ihre neue Rolle mit dem Partner, dem Kind bzw. den Kindern und anderen Angehörigen Ihrer Familie, wie Großeltern, Onkeln, Tanten. Nehmen Sie sich dafür möglichst schon vor Antritt eines Jobs ausreichend Zeit: „Mit meinem Job wird sich vieles für uns alle ändern. Ich kann nicht mehr all die Verantwortung tragen und die vielen Aufgaben bewältigen. Bisher war ich z.B. ziemlich allein verantwortlich für Saschas Tagesablauf. Um die Besonderheiten wie Geburtstagsfeiern, seine Kleidung und seine Schulangelegenheiten habe ich mich gekümmert. Das war meine Rolle. Jeder von uns hatte seine Rolle. Die Rollen aller Familienmitglieder müssen nun auf den Prüfstand.“ Arbeitende Mütter werden insbesondere von ihren Eltern und Schwiegereltern, aber auch von Nachbarn und Freundinnen schnell mit Sätzen konfrontiert wie: „Pass auf, dass du die Kinder nicht vernachlässigst! / Meinst du nicht, dass du mehr Zeit für dein Kind haben müsstest?“ Rechtfertigen Sie sich nicht. Sprechen Sie über Ihr Rollenverständnis: „Warum werden Männern nicht solche Fragen gestellt? Kann es sein, dass dahinter das Vorurteil steckt, Mütter müssten allein für ihr Kind da sein? Ich stehe zu meiner Rolle als arbeitende Mutter. Meine Arbeit belebt unser Familienleben. Auch Franziska profitiert davon, dass ich so zufrieden bin. / Mach mir bitte kein schlechtes Gewissen. Ich habe meinen Beruf und die Familie; wir schaffen es, das gut miteinander zu verbinden. Ich bin damit zufrieden; Franziska mag und braucht mich so selbstbewusst. Wenn du allerdings konkrete Beispiele hast, die zeigen, dass Franziska leidet, dann nenne die Situationen und hilf bitte mit, Lösungen zu finden.“
Lassen Sie nicht zu, dass Ihre zusätzlichen Belastungen als Selbstverständlichkeit betrachtet werden, vom Partner nicht, nicht von Großeltern und nicht vom Kind: „Ich bitte, dass ihr seht und anerkennt, was ich nun zu leisten habe. Lasst mich damit nicht allein. Außer eurer tatkräftigen Hilfe brauche ich auch eure Anerkennung und die Würdigung meiner Anstrengungen. Ich schaffe es nicht, wenn ich ganz allein damit bin.“ Insbesondere Ihrem Partner sollte bewusst sein, dass bezüglich der Erziehung und der Hausarbeit eine Vermischung der Rollen üblich sein muss. Von älteren Geschwistern kann erwartet werden, dass sie den Jüngeren bei der Bewältigung der anfallenden Probleme helfen. Berufstätige Eltern brauchen befreundete Familien in gleichen Situationen. Gehen Sie offen auf diese zu! Suchen Sie den Kontakt im Kindergarten, der Schule, der Nachbarschaft. Nur so können Sie sich z.B. an einem Bring- und Holdienst bzw. Fahrdienst zum Kindergarten und zur Schule beteiligen. Gemeinsame Spielkreise, Einkäufe, Ausflüge und gegenseitige Übernachtungsmöglichkeiten entlasten Sie in besonderem Maße. Ihr Kind gewinnt dadurch an Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit. Halten Sie auch nach Senioren/Seniorinnen Ausschau, die gerne Kinder betreuen. Überall gibt es Menschen, die angesprochen werden möchten. Fragen Sie in der Kirchengemeinde nach Personen, die gern bereit sind, Sie zu entlasten. Dann leidet Ihr Kind(Teil eines Kapitels aus dem Erziehungsratgeber "Gestresste Eltern - Starke Kinder") Häufig müssen allein erziehende Mütter (und auch Väter) direkt nach der Trennung eine Arbeit annehmen. Mit der neuen Familiensituation und der Berufstätigkeit gleichzeitig umzugehen ist eine doppelte Erschwernis für das erziehende Elternteil und das Kind. Oftmals kommt noch ein Umzug als dritte Belastung hinzu. Die Eheprobleme haben beide schon sehr geschwächt; Elternteil (zumeist die Mutter) und Kind brauchen in der neuen Situation sehr viel Zeit der Ruhe, der Neuorganisation und Neubesinnung. Beide benötigen jetzt auch mehr Zeit füreinander. Tun Sie alles, damit Sie erst dann bei Ihrer Arbeit einsteigen, wenn die neue Situation sich für Sie und das Kind gefestigt hat. Ein schlechtes Gewissen müssen Sie jedenfalls nicht haben, wenn Sie sich ganz um Ihr Kind kümmern und energisch auf das nötige Geld für Ihren Lebensunterhalt vom Vater und vom Sozialamt bestehen. Wenn Sie in derart schwierigen Situationen auf eine Berufstätigkeit verzichten, um für Ihr Kind da zu sein, so lassen Sie das Kind nicht fühlen oder gar hören: „Ich hab ja leider dich. / Wäre ich allein, könnte ich arbeiten gehen. / Ich weiß ja nicht wohin mit dir!“ Zeigen Sie, dass Ihr Kind bedingungslos an erster Stelle steht: „Ich bin gern bei dir. Du bist mir so wichtig, dass wir es auch ohne zusätzliche Einkünfte schaffen. / Ich bin gern Mutter, die ganz zu Hause bei dir ist. Für dich da zu sein ist jetzt meine Aufgabe; das füllt mich aus.“ Eltern, die einen Beruf ausüben und gleichzeitig erste Bezugsperson für ihr Kind sind, brauchen sehr viel Kraft. Diese anspruchsvolle Aufgabe misslingt, wenn sie durch Suchtmittel psychisch oder körperlich geschwächt werden. Alkohol, Nikotin, Koffein, Medikamente schwächen in jedem Fall. Dagegen stärken gesunde Essgewohnheiten, Sport, Fitnessübungen und Entspannungstraining. Verlangen Sie aufgrund Ihrer Berufstätigkeit dem Kind nicht zu viel Selbstständigkeit ab. ‚Das Kind bleibt Kind’ gilt auch hier. Es muss Zeit haben, um ausgelassen zu sein, um zu spielen, um zu trödeln, um zu träumen. Sehen Sie das Kind im Kind und akzeptieren Sie es so. Erwarten Sie nicht, dass es sich zu Ihrer Entlastung angepasst, verständnisvoll, also sehr ‚erwachsen’ verhält. Sie sind und bleiben der Erwachsene, der Verständnis, Einsicht, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft dem Kind entgegenbringt, nicht umgekehrt.
Job bleibt Job und Kind ist Kind(Aus dem Erziehungsratgeber "Gestresste Eltern - Starke Kinder") Das muss die erste Devise berufstätiger Eltern sein: ‚Meine Berufstätigkeit und meine Erziehungstätigkeit trenne ich strikt voneinander.’ Dieser Grundsatz ist schwer zu verwirklichen, insbesondere wenn einer der beiden Bereiche oder gar beide belastend sind. Doch gelingt Ihnen diese Trennung nicht, so werden Ihr Kind, Ihr Beruf und Sie gleichermaßen leiden. Die Beachtung weniger, einfacher Verhaltensregeln hilft Ihnen einerseits, die berufliche Belastung „an der Haustür abzulegen“, und andererseits, Ihr Kind „in guten Händen“ zu wissen, während Sie bei der Arbeit sind. Diese beiden Aspekte sind wichtig. Unmittelbar bevor Sie zur Arbeit gehen und insbesondere bei Ihrer Rückkehr, stellen Sie Ihr Kind in den Mittelpunkt Ihres Interesses. Wenn Sie sich nun auch nur eine viertel Stunde ganz auf das Kind einstellen, tut ihm dies außerordentlich gut. Nehmen Sie schon auf dem Nachhauseweg innerlich von der Arbeit Abschied. Halten Sie spätestens an der Haustür einen Augenblick inne und sagen sich: Stopp. Die Arbeit lasse ich jetzt hinter mir, mit all meinen Sinnen bin ich bei meinem Kind! Wenn Sie bei Ihrer Rückkunft von der Arbeitsstelle keine Freude zeigen, kein Interesse an seiner Person äußern, so belasten Sie Ihr Kind sehr. Es kann verstehen und akzeptieren, dass Ihnen Ihre Arbeit wichtig ist; doch es kann nicht vertragen, dass Ihnen die Arbeit wichtiger ist als es selbst. Ihr Kind ist nicht die Person, die Ihre Arbeitsprobleme auffangen kann. Wenn Sie nach der Arbeit direkt jemanden brauchen, der Ihnen zuhört, so suchen Sie zunächst eine Person auf, die diese ‚seelsorgliche’ Arbeit bewältigen kann. Treffen Sie sich z. B. erst mit einem Freund, einer Freundin. Es ist besser, Sie kommen eine halbe Stunde später, aber dafür entlastet zu Ihrem Kind. Ruhen Sie sich einige Minuten aus, bevor Sie wieder in Ihre Mutter- bzw. Vaterrolle schlüpfen. Vielleicht können Sie sich noch an der Arbeitsstelle eine abschließende Ruhepause gönnen; entspannen sie sich jedenfalls auf dem Nachhauseweg, indem Sie an etwas Schönes denken oder entspannende Musik hören. Wenn Sie noch Arbeit mit nach Hause genommen haben, so stellen Sie diese zunächst kommentarlos zur Seite. Sagen Sie nicht einmal: „Ich habe noch etwas zu arbeiten, aber das mache ich nachher.“ Denken Sie auch nicht gleich an ein wichtiges Telefonat. Das ist schon zu viel der Unachtsamkeit: „Ich muss noch eben jemanden anrufen, dann kümmere ich mich um dich.“ Nichts ist jetzt wichtiger als Ihr Kind. Erst nachdem Sie intensiv und ausschließlich das Aufmerksamkeitsbedürfnis Ihres Kind befriedigt haben, können Sie sich anderen Aufgaben zuwenden. Stellen Sie zuvor noch eine gemeinsame Aktion in Aussicht, auf die sich Ihr Kind freuen kann, dann können Sie sich gern innerhalb der Wohnung zurückziehen: „Jetzt werde ich noch einige Telefonate und Schreibsachen erledigen. Nachher werden wir gemeinsam etwas kochen – zusammen basteln – in Ruhe essen / deine Lieblingssendung ansehen. Was machst du in der Zwischenzeit?" Ihr Kind fühlt sich verlassen, wenn Sie es bald wieder allein lassen, nachdem Sie am Ende eines langen Arbeitstages nach Hause gekommen sind. Legen Sie Ihre außerhäuslichen Hobbys zeitlich so, dass das Kind nicht derart betroffen ist. Auch eine gute Betreuungsperson ersetzt dann nicht Ihre Anwesenheit in der Wohnung. Desto gestresster man ist, desto eher trägt man die Art des Umgangsstiles vom Arbeitsplatz in die Familie. Herrschen dort ein Befehlston, distanziertes Reden, eine knappe Sprache oder ein ironischer Umgang, so lassen Sie auch dies bewusst am Arbeitsplatz. Ihr Kind mag es ganz und gar nicht, wie ein Kollege, eine Kollegin oder wie Angestellte behandelt zu werden. Wenn Ihr Kind keinen Zweifel daran haben muss, dass es bei Ihnen im Mittelpunkt steht und die Arbeit erst an zweiter Stelle kommt, wird es auch Interesse an Ihrer Arbeitswelt äußern. Erzählen Sie ihm von Ihrer Tätigkeit. Nehmen Sie es hin und wieder mal mit an den Arbeitsplatz, damit es eine Vorstellung hat, mit welchen Menschen und Aufgaben es Sie teilt. Damit Sie andererseits an Ihrer Arbeitsstelle die notwendige Leistung erbringen können, müssen Sie die Sicherheit haben, dass Ihr Kind in dieser Zeit gut betreut ist. Die sorgfältige Auswahl der ‚Miterzieher’ spielt dabei eine bedeutende Rolle.
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