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Auf dieser Seite finden Sie Ergebnisse unserer Befragungen

Befragung: Rabenmütter oder Supermamas? Wie zufrieden sind U3 Eltern - veröffentlicht: 3/2007

Im Einzelnen: Wechselbad der Gefühle
Glückliche Krippenkinder
  
Ein Lob den Kindertagesstätten
  
Die Erhebung
  
Elternäußerungen
  
Unser Interesse
  
Unsere Folgerungen

Befragung: Fernsehgeräte in den Kinderzimmern 
veröffentlicht: 12/2003 und neu 12/2006

 

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Rabenmutter oder Supermama

Glückliche Krippenkinder / Befragung bei Müttern, die ihre Kleinstkinder in die Krippe gaben / Wie zufrieden sind U3 Eltern? (U3 = öffentliche Erziehung von Kindern bis zum 3. Lebensjahr)

  

Wechselbad der Gefühle

95 % der Mütter, die ihr Kleinstkind in die öffentliche Ganztagsbetreuung geben, leiden unter Vorwürfen und Vorurteilen ihrer Umgebung. 72 von 100 Müttern drücken aus, dass sie unsicher sind, ob die Krippenerziehung ihren Kindern gut tut. Befürchtet wird, dass das Kind in der Entwicklung zurück bleiben könnte, dass es der Familie entfremdet wird und Spätfolgen in der emotionalen Entwicklung auftreten. Durch die Entscheidung der Eltern, das unter dreijährige Kind in eine Krippengruppe zu geben, fühlen sich über 70 % der Großeltern sehr gekränkt. „Die Frage, ob ich wirklich eine Rabenmutter bin, quälte mich“, berichtet eine betroffene junge Mutter. „Doch schon nach einigen Wochen Kindertagesstättenerfahrung fühlte ich mich als Supermama“, ergänzt sie. Sie spricht eine Erfahrung aus, die viele U3 Eltern ebenso erleben. Die anfänglichen Bedenken wandeln sich schnell in Begeisterung. 

Das ergab eine Befragung des Pädagogen und Theologen Frank Maibaum. Im Auftrag der westfälische INITIATIVE KIND befragte er 100 Familien, deren Kinder im Alter von fünf Monaten bis drei Jahren in Kindergärten und Kindertagesstätten betreut werden.

"Ausschlaggebend für den Empfindungswandel bei Eltern und Großeltern ist die hervorragende Qualität der meisten Kindertagesstätten", erklärt Maibaum, "die Eltern registrieren sehr schnell positive Auswirkungen auf ihr Kind."

Sechs Monate nach Beginn der Betreuung 
geben 96 % der Mütter an, dass die öffentliche Erziehung ihrem Kind gut tut. 91 stellen fest, dass die Entwicklung des Kindes bemerkenswerte Fortschritte gemacht hat. 73 sind gar der Auffassung, dass sich ihr Kind daheim, auch bei voller Betreuung durch die Eltern oder Großeltern, nicht so gut entwickelt hätte. Sie stellen insbesondere Entwicklungsschübe im Bereich der Bewegung und der Sprache fest. Neun der 100 Eltern beschreiben, dass Vorsorgeuntersuchungen besorgniserregende Entwicklungsverzögerungen feststellten, die dann durch die Krippenerziehung ausgeglichen wurden.

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Glückliche Krippenkinder

Im Rahmen der Erhebung füllten Eltern und Großeltern einen mehrseitigen Fragebogen aus und stellten sich einem 45minütigen Interview. Durchgeführt wurde die Befragung von der westfälischen Initiative Kind.

Nach sechs Monaten (und länger) möchten 86 der 100 Mütter auf keinen Fall auf die U3 Erziehung verzichten; auch dann nicht, wenn sie sich selbst voll um das Kind kümmern könnten. Zu Beginn der Betreuung gaben dies nur 14 Mütter an.

Die Eltern betonen, dass sich ihr Verhältnis zum Kind vertieft habe. Die kurze Zeit, die sie mit dem Kind verbringen, wird intensiver genutzt. Ihr Kind sei nun ausgeglichener. Mütter, Väter und Großeltern schwärmen von der pädagogischen Beratung in den Einrichtungen. Sie verdeutlichen an vielen Beispielen, wie sie durch die Gespräche mit den Erzieherinnen und die Beratung anderer Fachkräfte in den Einrichtungen unverzichtbare Kenntnisse über Erziehung gewonnen haben. Etliche betonen, dass die Kenntnisse, die sie insbesondere durch Sendungen wie Super Nanny erworben hatten, in den Schatten gestellt bzw. revidiert wurden.  Zum Seitenanfang

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Ein Lob den Kindertagesstätten

84 der 100 befragten Personen sind mit ihrer Lebenssituation voll zufrieden, glücklich bis sehr glücklich. Wiederum 75 von diesen Personen (also 89 %) sehen diesen positiven Zustand in erster Linie mitbedingt durch die befriedigende Situation der Kinderbetreuung.

96 % der Eltern und Großeltern bewerten die Qualität ihrer Kindertagesstätte und die fachliche Kompetenz der Erzieherinnen mit gut bis sehr gut.

Auffällig ist, wie sehr die Eltern die Arbeit der Einrichtung kennen. 86 konnten spezielle Förderprogramme und Angebote der Einrichtung nennen und beschreiben.

  

Die Erhebung

Die Erhebung wurde im Zeitraum von August 2006 bis Februar 2007 in neun Kreisen des Ruhrgebiets durchgeführt (Dortmund, Herne, Bochum, Recklinghausen, Bottrop, Gelsenkirchen, Oberhausen, Mühlheim, Duisburg). Die Eltern hatten einen Katalog mit 23 Fragen (ja / nein bzw. Skala von 0 bis 10) zu beantworten und stellten sich einem 45minütigen geleiteten Gespräch, in dem sie insbesondere ihre Antworten auf dem Fragebogen erläuterten.

Befragt wurden 93 Mütter, 32 Großeltern, 12 Väter aus 100 Familien, die ihre Kinder seit mindestens sechs Monaten der sogenannten U3 Betreuung anvertraut haben. Die Kinder werden in 24 Einrichtungen in kleinen altersgemischten Gruppen in Kindertagesstätten (zum Teil Familienzentren), und Kindergärten (zum Teil mit erweiterter Altersmischung) betreut. Nicht dabei sind Kinder, die in reinen Krippen oder durch Tagesmütter betreut werden. Die befragten Personen wurden von uns ermittelt und nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Wir haben darauf geachtet, uns nicht auf Personen zu konzentrieren, die uns von den Einrichtungen zur Befragung empfohlen wurden.

Die befragten Eltern (und Großeltern) reflektieren ihr Handeln und haben sich ein besonderes Maß an pädagogischer Kompetenz erworben. Das hat unser Team, die wir in verschiedenen pädagogischen Bereichen (auch in der Erwachsenenbildung) arbeiten, besonders beeindruckt. Die Eltern haben persönlich erfahren und können verbalisieren, was die Wissenschaft in aufwändigen Forschungen ermittelt hat:

· Bedeutend ist nicht, wie lange sich eine Mutter ihrem Kind zuwendet, sondern wie intensiv der Kontakt ist (gemessen am Blickkontakt, an der Weise des Zuhörens und des Verstehens der kindlichen Äußerungen).

· Ausschlaggebend ist nicht, dass die Mutter stets anwesend ist, sondern welcher Art das Bild der Mutter ist, das das Kind im Kopf hat, während es von anderen Personen betreut wird.

· „Hospitalismusschäden“ entstehen nicht durch die institutionelle Betreuung, sondern durch schlechte institutionelle Betreuung. Die Qualität der Einrichtung ist entscheidend.  Zum Seitenanfang 

  

Elternäußerungen:

Was entsprechend der Wissenschaft für die Erziehung bedeutsam ist, haben die Eltern der U3 Kinder selbst herausgefunden, wie ihre Äußerungen zeigen. Hier einige Beispiele, wie sie so oder ähnlich immer wieder geäußert wurden:

„Ich kümmere mich jetzt intensiver um mein Kind. Ich lese ihm vor, singe mit ihm. Ich spüre, wie gut es ihm tut.“ / „Ich erlebe mein Kind jetzt eher als Partner und nicht als mein Besitz. Es hat mir plötzlich auch etwas mitzuteilen. Ich muss hinschauen, hinhören und verstehen.“ / „Ich habe mit der Ergotherapeutin in der Kita geredet, meine Erziehungsfehler erkannt. Ich habe vorher pädagogisch so viele Fehler gemacht.“ / „Ich bin aufmerksamer worden.“ / „Wichtig ist mir, dass die Einrichtung fachlich gute Pädagogik leistet.“ / „Ich selbst könnte diese Förderung daheim nicht leisten.“ / „Meine emotionale Zuwendung ist gewachsen.“ / „Unser Kind ist uns jetzt noch kostbarer, wir wissen jetzt noch mehr, wie lieb wir es haben und wie viel Verantwortung wir haben.“ / „Die Bindung ist wichtig, aber nicht die Dauer, sondern die Qualität.“ / „Unsere Erziehung ist bewusster geworden.“ / „Jetzt merkt mein Kind richtig, wie lieb ich es habe.“ / „Wir haben jetzt mehr über Erziehung gelernt als vorher über das Fernsehen; das Verhältnis ist entkrampfter.“ / „Bisher waren wir auf Super Nanny angewiesen, da haben wir zu viel falsch gemacht.“ / „Die Erziehung in der Kita ist einfach besser als bei den Großeltern.“ / „Es darf kein Abschieben sein, die Liebe muss nicht schwächer, sondern stärker werden.“ / „Ein neues Leben hat für uns als Familie begonnen.“ / „Ich bin intensiver Mama als vorher.“ „Ich koste die Zeit mit meinem Kind mehr aus.“ / „Ich sehe mein Kind neu.“ / „Die Entscheidung war hart, doch im Nachhinein bin ich froh.“  / „Ich hab geschluckt  als Oma; ich musste mich ganz viel rechtfertigen."

 Der Erstellung des Fragebogens gingen Gespräche mit Eltern, Erzieherinnen, Wissenschaftlern voraus. Da merkten wir schon, dass die Bewertung der U3 Erziehung durch die Eltern nicht negativ ausfallen würde. Doch wie überrascht waren wir über das Maß der Begeisterung bei den Eltern und Großeltern. Das hatten wir so nicht erwartet. 

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Unser Interesse

Seit Beginn 2005 beantragen zunehmend mehr Träger für ihre Kindertageseinrichtungen die Betriebserlaubnis für kleine altersgemischte Gruppen. Diese Entscheidungen werden selten ohne harte Auseinandersetzungen in den Leitungsgremien der Träger gefällt. In den Frauen-, Männer-, Seniorengruppen bei Kirchengemeinden und Verbänden, wie AWO oder DRK steht das Urteil schnell fest: „Wer sein Kind abgibt ist eine Rabenmutter!“ Wissenschaftliche Untersuchungen, die Anderes belegen, überzeugen nicht, denn die eigene Erfahrung wiegt mehr. Meldet sich jedoch in diesen Gruppen eine Großmutter zu Wort, die gerührt erzählt, welche ungeahnten Entwicklungsfortschritte ihr neun Monate alter Enkel in der Kita macht, wendet sich der Tenor der Diskussion schnell. Persönliche Erfahrungen nimmt man sehr ernst. Daher haben wir im Frühjahr 2006 (nach einigen solchen Erlebnissen in Gruppen, Gremien, bei Vorträgen) begonnen, U3 Eltern nach ihren Erfahrungen zu fragen. Daraus wurde diese Untersuchung. Nach ersten Berichten, die man uns zutrug, ahnten wir schon, dass das Urteil über die neue öffentliche Kleinstkinderziehung unter dem Strich positiv ausfallen wird. Doch wir waren überrascht, wie begeistert, erleichtert, gar euphorisch die Eltern waren, mit denen wir sprachen. Das hat uns beeindruckt; denn solche Erfahrungen sind es, die wirklich zählen. Zusammengefasst ist nun doch eine Untersuchung daraus geworden, doch es sind über 100 Erlebnisse von Unsicherheit, Angst, Hoffnung, Glück oder Enttäuschung. Wir können Ihnen nur die Zusammenfassung liefern; die einzelnen Geschichten wären viel spannender und sehr aussagekräftig. Unter diesem Eindruck sind wir sicher, dass die U3 Gruppen eine große Zukunft haben. 

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Unsere Folgerungen

Ob Eltern viel oder wenig Zeit für ihr Kind haben, ist ein verbreiteter Maßstab für die Güte familiärer Erziehung. Verbreitet ist die Auffassung: „Gute Eltern nehmen sich viel Zeit für ihr Kind; schlechte Eltern haben viele andere Interessen!“ Schnell wird daraus gefolgert: "Eine Mutter, die viele andere Interessen hat oder gar arbeiten geht, ist eine Rabenmutter." So einleuchtend diese Beurteilung auch scheinen mag, sie ist dennoch zu oberflächlich. Denn Zeit ist ein Maßstab für Quantität, in der Erziehung kommt es dagegen auf die Qualität an. Das gilt für die öffentliche Erziehung und die familiäre gleichermaßen. Bei genauerer Betrachtung wird schnell deutlich: Weniger Zeit kann mehr sein, und mehr Zeit ist nicht automatisch eine Garantie für gute Erziehung. Die Begriffe "Rabenmutter" und "Gute Mutter"  müssen unter diesem Gesichtspunkt neu definiert werden. 

Den Eltern (Müttern, Vätern und Großeltern) raten wir:
Achten Sie auf Qualität, in der Kita und daheim. Das heißt für daheim: Gestalten Sie die wenige Zeit, die Ihnen mit Ihrem Kind zur Verfügung steht, wertvoll:

·        Legen Sie Wert auf gute Gespräche. Kurzes, aber intensives, partnerschaftliches Miteinanderreden hat weit mehr Wert als ausgiebiges, oberflächliches aneinander Vorbeireden und aufeinander Einreden. 

·        Seien Sie achtsam. Sehen, hören, fühlen Sie, was Ihr Kind innerlich bewegt. 

·        Erkennen Sie die Situationen, in denen das Kind Sie nicht vermissen möchte. Da dürfen sie nicht fehlen: Wenn es Geburtstag hat, wenn es krank ist, wenn es zum Arzt muss, wenn es Erfolge "feiern" möchte, wenn es Enttäuschungen zu verkraften hat. Es sind Schlüsselmomente; sie entscheiden darüber, ob ein Kind sich grundsätzlich beachtet oder allein gelassen fühlt. Diese Augenblicke öffnen oder verschließen Ihnen das Herz des Kindes. 

·        Kosten Sie mit dem Kind Momente aus, in denen Sie gemeinsam die Zeit vergessen. Genießen Sie das miteinander Schmusen, Träumen, Beten, Spielen, frei von Hektik und Anspannung, ohne Uhr oder Terminplaner. Begeben Sie sich mindestens einmal täglich mit Ihrem Kind auf eine solche Zeitinsel.

Viel mehr praktische Ratschläge zu "Keine Zeit - dennoch gut erziehen" und "Kind und Job" finden Sie unter "Aktuelle Tipps"

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Untersuchung: 
Fernsehgeräte in den Kinderzimmern (Zusammenfassung)

In den Kinderzimmern zwischen Hamburg und Kiel sucht man vergeblich nach Fernsehgeräten. Das ist nicht überall so, wie eine aufwändige, bundesweite Erhebung zeigt. Die im westfälischen Dorsten beheimatete Initiative-Kind fragte in 380 Kindertagesstätten mit insgesamt 26.980 Kindern nach Fernsehgeräten in Kinderzimmern. Die kleinen drei- bis sechsjährigen gaben freimütig Auskunft. Die großen Unterschiede bei den Antworten überraschten selbst das Expertenteam aus Pfarrern, Lehrern und Erzieherinnen. Und das kam heraus: Je nach Region stehen in einhundert Kinderzimmern null bis dreißig Fernsehgeräte. „Auf dem Hintergrund neuerer Forschungsergebnisse zum Zusammenhang von negativen Schulleistungen und eigenem Fernsehgerät bei Grundschulkindern, muss man den Eltern im hohen Norden Deutschlands einen Orden verleihen, den Vätern und Müttern im Ruhrgebiet dagegen eine Rüge erteilen,“ fasst Frank Maibaum, westfälischer Pfarrer und Vorsitzender der Initiative Kind die Ergebnisse der Befragung zusammen. Denn vergeblich sucht man Flimmerkisten in den Kinderzimmern Schleswig-Holsteins, in 100 Kinderzimmern des Ruhrgebiets findet man aber gleich dreißig Exemplare. 

Fernsehgeräte in den Kinderzimmern

Im März 2003 erklärte die damalige Bundesfamilienministerin Renate Schmidt: „Wer Kindern ein Fernsehgerät ins Kinderzimmer stellt, begeht Körperverletzung.“ Die Mitglieder der Initiative Kind wollten damals genau wissen, wie weit diese Art der Körperverletzung verbreitet  ist. Sie ermittelten in 53 Kindertagesstätten des Ruhrgebietes, dass mehr als 1500 der 4000 befragten Drei- bis Sechsjährigen über ein eigenes Gerät verfügen. In einem Stadtteil Gelsenkirchens konnten gar 56 von 100 Kindern die Frage nach dem ganz persönlichen Fernsehgerät mit "ja" beantworten. Auch andere Städte der Region, wie Dorsten, Bochum, Bottrop lagen mit 40% bis 50% weit über dem Durchschnitt. Die Randgebiete des Ruhrgebietes zum Münster- und Sauerland drückten das Ergebnis auf durchschnittlich 35 %. In diesen ländlichen Bereichen konnten nur 5 von 100 Kindern eine Flimmerkiste vorweisen. Am 23. Mai 2003 gaben zahlreiche Tageszeitungen (auch im benachbarten Ausland) dieses Ergebnis bekannt. „Jedes dritte Kind ist Herr über eine Fernbedienung“, titelte die in Essen erscheinende Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ). Das WDR-Fernsehen schickte noch am selben Tag ein Team nach Waltrop bei Dortmund und filmte für die Abendsendung WDR-Aktuell drei-, vier- und fünfjährige Kinder beim Fernsehen in ihrem Kinderzimmer. 

In ganz Deutschland wurde nachgefragt

Das Ergebnis vom Mai 2003 ließ dem Team von Initiative Kind keine Ruhe. Unter Leitung des westfälischen Pfarrers und Pädagogen Frank Maibaum ging man dem Phänomen „eigenes Fernsehgerät für die Kleinen“ auf breiter Ebene nach. Man wollte genau wissen, wie viele Fernsehgeräte in den Kinderzimmern der Nation verteilt sind. In den vergangenen zwei Jahren wurde also in 380 Kindertagesstätten mit insgesamt 26.980 Kindern nachgefragt. (Wir setzten uns telefonisch mit dem Leitungspersonal der Einrichtungen in Verbindung, diese befragten ihre Kinder und nannten uns die absoluten Zahlen.)

Dabei bestätigte sich, dass das Ruhrgebiet eine Sonderstellung einnimmt. Nirgendwo ergaben sich ähnlich hohe Ergebnisse. Kindertagesstätten zwischen Leipzig und Berlin meldeten, dass 10 bis 15% ihrer Kinder über ein eigenes Gerät verfügen. Im Kern Bayerns, um München, sind es drei und in Hessen, Württemberg und Franken gerade mal zwei von einhundert Kindern.

Im hohen Norden Deutschlands sucht man die Flimmerkisten vergeblich

Viele Leiterinnen von Kindertageseinrichtungen zwischen Hamburg und Kiel dachten, diese Befragung sei ein Scherz. Sie mochten nicht glauben, dass es irgendwo in Deutschland Vorschulkinder mit eigenem Fernsehgerät gibt. Sie ließen sich aber auf die Befragung ein. Tatsächlich meldeten hier nur einige der Kleinen ein Gerät an - weniger als 1%. Den Erwartungen zum Trotz zeigte sich auch in der Großstadt Hamburg kein höheres Ergebnis.

"Unsere ersten Ergebnisse ließen eine Kluft zwischen Großstadt und flachem Land vermuten", erklärt Maibaum, Vorsitzender der Initiative. "Doch an den niedrigen Prozentzahlen von München, Frankfurt und Hamburg haben wir gelernt, dass auch in Ballungsgebieten sehr verantwortlich mit dem Fernsehgerät umgegangen wird." Folgern kann man auch, dass der Fernsehkonsum der Sprösslinge direkt mit dem ihrer Eltern zusammenhängt. Der kleine Maik aus Dortmund hat es wohl richtig erkannt: "Meine Eltern haben mir den Fernseher ins Zimmer gestellt, damit sie selber bei sich in Ruhe gucken können." Ähnlich äußerten sich andere Kinder. Das zeigt, dass Eltern zunächst an ihrem eigenen Fernsehverhalten arbeiten müssen, bevor sie dem Kind das Gerät entziehen.

 Für das Revier gelten andere Maßstäbe

„Das Ruhrgebiet bleibt ein Phänomen für sich“, betont Maibaum. "Legt man die Aussagen der früheren Bundesfamilienministerin Renate Schmidt und der jetzigen NRW-Schulministerin Barbara Sommer zugrunde, die Fernsehgeräte für Kinder energisch verurteilen, dann müsste man den Ruhrgebietseltern eine Rüge erteilen und den Vätern und Müttern in Schleswig-Holstein  einen Orden verleihen.“ Doch Maibaum möchte keine schnellen Urteile fällen. „Ich bin seit dreißig Jahren Ruhrgebietspfarrer, liebe die Menschen hier und erlebe viele anständige, intelligente Kinder, die schon seit dem zweiten Lebensjahr die Herrschaft über ihre Fernbedienung nicht aus der Hand geben. Das Revier muss man mit anderen Maßstäben betrachten. Dennoch sollte hier wie anderswo jeder Erwachsene wissen: Weder Fernsehgerät noch Computer sind ideale Bildungsmedien für Kinder. Leider hört man oft auch von Fachleuten das Gegenteil, und Eltern entschuldigen sich damit. Grundsätzlich gilt, dass jeder Augenblick, den ein Kind weniger vor einem der Geräte verbringt, seiner Entwicklung gut tut.

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Erzieherinnen beantworten Elternfragen

 

Erzieherinnen beantworten Elternfragen II

 

                            

Copyright © 2003 kinder-initiative.de     Stand: 20. November 2011